Musiktheater

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Die Hochzeit des Figaro

Die Hochzeit des Figaro

Opera buffa in vier Akten von Wolfgang Amadeus MozartLibretto von Lorenzo da Ponte nach "La Folle Journée ou le Mariage de Figaro" von Pierre Augustin Caron de Beaumarchais Deutsch von Bettina Bartz und Werner Hintze

Termine

Die Diener Susanna und Figaro wollen endlich heiraten, doch alle Freuden auf dieses bevorstehende Ereignis werden durch mächtige Widerstände getrübt. Nicht nur, weil Figaro sich mit Marcellina herumschlagen muss, der er einst aus Geldnöten die Ehe versprochen hatte, sondern auch, weil der Herr des Hauses, Graf Almaviva, Susanna nachstellt. Und der nach erotischen Abenteuern suchende Cherubino, der jeder Frau den Kopf verdreht, macht die Situation nicht einfacher. Ein Patentrezept für den Weg zum gemeinsamen Glück gibt es nicht. Während sich so manches Problem von selbst löst, schafft es Figaro mithilfe der um die Untreue ihres Gatten wissenden, gekränkten Gräfin, sich mit List, allerhand Verwechslungen und Intrigen am Grafen zu rächen …

Nach Mozarts „Don Giovanni” erscheint nun eine weitere da Ponte-Oper auf dem Spielplan des Theaters Vorpommern. Mit seinen Erfahrungen aus Mannheim und Paris findet Mozart hier zu seiner unverwechselbaren Musiksprache, die von einer feinsinnigen psychologischen Durchdringung der Figuren gekennzeichnet ist: Was da Ponte durch die Auflagen der Wiener Zensur im Libretto ändern musste, um den revolutionären Geist des Werkes abzuschwächen, erzählt schließlich die Musik.

"Will der Herr Graf den Tanz mit mir wagen?"

PRESSESTIMMEN

Mozart gegeben, was des Mozarts ist

Mit der Aufführung von „Figaros Hochzeit“ überzeugte das Theater Vorpommern spielerisch und musikalisch.

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Seine Premiere erlebte das Spektakel am Theater Vorpommern in Stralsund am Sonnabend. Dort hat sich Horst Kupich keine Gelegenheit entgehen lassen, dem Mozart zu geben, was des Mozarts ist. Und dies in historischem Gewand, ohne vordergründig propagandistische Absichten. Damit wäre er zwar für jene „unzeitgemäß“, die mit dem Werk für heutige Probleme „wachrütteln“ und – wie etwa gegenwärtig in Trossingen – damit das 21. Jahrhundert entdecken wollen; aber Kupich verprellt kein Publikum – und kann sich jederzeit auf Mozart berufen. Der war in Stralsunds Großem Haus übrigens sehr präsent: mit lockerem, natürlichem Spiel, einfallsreicher Choreographie, glaubwürdigen Charakteren, feinem Witz und jener Leichtigkeit, die stets spannungsvoll und nur scheinbar bloß „lustig“ ist (Dramaturgie Stephanie Langenberg). Überzeugend auch die Stringenz der Abläufe, das hohe, nie hektische und von unauffälliger Dramatik bestimmte Tempo. Und dann tummelt sich auf schlichter dreizimmriger Drehbühne und in fein abgestimmtem, farbenprächtigem Outfit (Ausstattung Christopher Melching) ein Vokalensemble von ausgezeichneten sängerischen und darstellerischen Qualitäten: ein Graf (A. Constantinescu) mit so ambivalentem wie überzeugendem Charakter, eine leidenschaftliche Gräfin (A. Gerhardt), keck, witzig und selbstbewusst die Susanna, etwas stabil ihr Figaro (L. van Coppenhagen, Th. Rettensteiner).

Stark sind auch A. Wagner als erotisch umtriebiger Cherubino und D. Hädrich-Eichhorn als Marcellina. Basilio (J. Richtert), Bartolo (T. M. Thomas) und alle anderen – Chor inbegriffen (R. Samedov) – hinterlassen ebenfalls besten Eindruck.

Und – GMD Golo Berg sei Dank – selten haben wir das Philharmonische Orchester Vorpommern mit einem so starken Mozart gehört: diszipliniert, mit hörbarer Musizierlust, dynamischer Verve und hinreißendem Schwung; auch musikalisch ein spannender Krimi mit schönstem Happy end!

Von Ekkehard Ochs

OZ Kultur vom Mon, 12. Mai 2014