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Die verkaufte Braut

Komische Oper von Bedřich Smetana Libretto von Karel Sabina Deutsche Übersetzung von Kurt Honolka

Termine

Verraten und verkauft. Marie kann es nicht fassen! Erst schwört Hans ihr ewige Liebe und dann kämpft er nicht um sie, als sie den Sohn des reichen Bauern Micha heiraten soll. Schlimmer noch: Er lässt sich vom Heiratsvermittler Kecal 300 Gulden ausbezahlen, damit er auf Marie verzichte. Und dabei glaubte sie, Hans zu kennen! Eine Welt bricht für Marie zusammen. Für Wenzel ist sie schon lange zusammengebrochen. Er, der Sohn des Tobias Micha, der Stotterer, wird ebenso verschachert wie Marie. Und alles wegen des Geldes! Mit der Ehe lassen sich halt gute Geschäfte machen. Aber was ist mit der Liebe? Zählt sie denn gar nicht? Und warum ist Hans bei alledem so vergnügt? Vielleicht, weil er das Kleingedruckte in seiner Verzichtserklärung gelesen hat … 
Temperamentvoll und sprühend vor Lebensfreude tritt Smetana mit der „Verkauften Braut” den Beweis an, dass Liebe, Leid, Vertrauen und Verrat auch auf dem Lande dicht beieinander liegen und dass die Protagonisten seiner „Nationaloper” weit mehr als nur „Böhmische Dörfler” sind.

"Weiß nicht mal, woher du kommst!
Dein Leben ist für mich in ein Geheimnis gehüllt!"

PRESSESTIMMEN

Komisches mit einer tieferen Bedeutung

Premiere für Smetanas „Verkaufte Braut“ am Theater Vorpommern.

Von Ekkehard Ochs

[...] Vorgestern hatte das Werk in Greifswald Premiere. Horst Kupich hat es inszeniert und sich den verdienten Erfolg nicht leicht gemacht. Will heißen: Konzentration auf eine von den Schöpfern intendierte charakteristische Mentalität und auf eine Handlung, die trotz einfachsten Strickmusters allerhandindividuellen Sprengstoff bietet. Kupich akzentuiert individuelle Unterschiedlichkeiten, vermeidet den Eindruck bloßer Folkloreshow.Das ist immer auch – hier gelungene – Gratwanderung, denn vieles ist in dieser komischen Oper nicht wirklich komisch.Ausgenommen der Grundkonflikt, „daß einer unter falschem Namen seine Braut an sich selber unter richtigem Namen verkauft“ (Oskar Bie, 1913).

[...] Rechtens setzt die Inszenierung nicht populistisch auf Typen, sondern auf Menschen sowie das Auf und Ab meist konfliktreich auszukämpfenden Lebens.Und das wird auf denkbarpraktikabler Bühne, in farblich charakterisierendenKostümen (Jacob Knapp), im lebhaften Wechsel von Ruhe und Bewegung, Scherz und tieferer Bedeutung anschaulich präsentiert. Entsprechend differenziert wird gesungen: ThomasRettensteiner, Anna Wagner, Tye Maurice Thomas und Doris Hädrich-Eichhorn sind die beiden stimmkräftigen, verheiratungswilligen Elternpaare, Liubov Belotserkovskaja eine leidenschaftliche, die große dramatische Geste gelegentlich etwas forcierende Marie, Bragi Bergthorsson ein nur scheinbar harmloser Knecht Hans mit dem besonderen Gespür für stimmliche Nuancen; beide agieren sehr präsent, outen sich als starke Charaktere und prägen wesentlich das Stück als eine in jeder Phase ernstzunehmende Oper. Alexandru Constantinescu tut das auf sehr eigene Weise und gefällt sich als wichtigtuerischer, unverzichtbarer Heiratsvermittler Kezal; gelegentlich etwas zu selbstgefällig, weil eigentlich schlitzohriger.

Eine Paraderolle hat Johannes Richter als gekonnt stotternder Wenzel: mit dem rechten Maß für ein bißchen Karikatur, stark aber als rührend Hilfloser mit dann doch ihm sehr zu gönnender Lebensperspektive. Opernchor, Kinder- und Jugendchor des TheatersVorpommern (Rustam Samedov, Choreographie Ralf Dörnen) überzeugen mit gewohnter Präzision und prächtiger Stimmfülle.
Hübsch bunt und auch spielerisch gekonnt: das Zirkusteam. Souverän am Pult ein GMDGolo Berg, der sein sichtliches Gefallen an der von Einfällen nur so sprühenden Partitur problemlos sehr direkt und temperamentvoll auf die beherzt musizierenden Philharmoniker zu übertragen wusste. Im ausverkauften Saal kam das gut an!

 

OZ Kultur Greifswald, 17. März 2014