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Fotos: MuTphoto

Prosit ein Leben lang. Wollust und Müßiggang.

Theater in der Kneipe Szenischer Carl Michael Bellman-Liederabend

Text Jörg F. Krüger als Lebemann Bellman im Stück "Prosit ein Leben lang. Wollust und Müßiggang."

Termine

Der Lebemann Bellman packt uns am Kragen und wirft uns mitten in die Kaschemmen hinein, zwischen tanzende Paare, umgeworfene und zerbrochene Gläser, wirbelt uns herum, bis wir völlig atemlos sind. Bedenke, dass du sterblich bist! Darum genieße die Zeit, den Wein, die Freuden der Erotik und der Liebe! Und neben der Feier gibt es Klagen über die Vergänglichkeit von Schönheit und Freude und elegische Betrachtungen über den Tod. In Schweden gilt er heute als Nationaldichter. Fredmans Episteln und Gesänge kennt dort nahezu jeder und nicht wenige können eines seiner zahlreichen Lieder zum Besten geben, etwa über die Wirtshausnymphe und Traumgestalt voller Liebreiz und ungehemmter Erotik: Ulla Winblad. Die Lieder zeugen von einem (spät)barocken Lebensgenuss, der sich in der Liebe und in der Trinkfreude zeigt. Dem Tod kann so auf Erden ein Schnippchen geschlagen werden. Gesänge aus einer noch nicht von Profilneurosen geprägten Zeit. Jörg F. Krüger ist als Bellman in einem szenischen Liederabend zu erleben, der aus einem leichtsinnigen Leben und einer leichtgelebten Zeit singt und erzählt. Das spielen wir natürlich am besten in der Kneipe, in Greifswald in der Kulturbar und in der Brasserie Hermann, in Stralsund im Bengunn, im Campus und im Scheelehof, somit ist auch für das leibliche Wohl gesorgt.

PRESSESTIMMEN

Sauflieder eines feinfühligen Schweden

 

Er erinnert ein wenig an Mozart: Wie der weltberühmte Komponist war auch er begnadet in dem, was er tat und gleichzeitig ein Lebemann, zudem chronisch pleite. Die Rede ist von Carl Michael Bellman (1740-1795). Noch heute gilt er als der bekannteste und beliebteste Liederdichter Schwedens. Seinem Unterhaltungstalent zollt das Theater Vorpommern nun Tribut und veranstaltet die Liederabendreihe "Prosit ein Leben lang. Wollust & Müßiggang". Und zwar außerhalb der konventionellen Räume - nämlich in einer Kneipe, dem natürlichen Lebensraum Bellmans. Die Stralsunder Premiere findet Freitag im Scheelehof statt. "Es gibt einen unheimlich lustigen Text von ihm: Bellman liegt vollkommen zerrissen und betrunken im Rinnstein. Er verflucht aufs Übelste Mutter und Vater und die Nacht, in der sie ihn zeugten.  Da sieht er, dass die Kneipe schon wieder öffnet, und nach den ersten fünf Schnäpsen singt er ein Loblied auf seine Eltern", schwärmt Dramaturg Franz Burkhard. Er stellte die Lieder zusammen, die Jörg F. Krüger, seit 1977 Theaterschauspieler in Vorpommern, vortragen wird. Krüger habe schon lange den Wunsch gehegt, Bellmann- Stücke aufzuführen. Damit tritt er in die Fußstapfen renommierter deutscher Künstler wie Manfred Krug, Hannes Wader oder Harald Juhnke. Musikalisch begleitet wird er dabei von Sebastian Undisz, dem Leiter der Schauspielmusik, am E-Piano. "Es wird ein szenischer Liederabend. Das heißt, zwischen den 18 Liedern gibt es Überleitungen, die ich aus seinen Episteln genommen habe", erklärt Burkhard. Bellman, der bekannt dafür war, Verse aus dem Stegreif zu erfinden, hat vor allem satirische Texte, auch auf Bibelstellen, verfasst. "Und um es auf die Spitze zu treiben, nannte er seine satirischen Verssammlungen Episteln, in Anspielung auf die biblischen Apostelbriefe." Aber anders als die Apostel hätte Bellman Bacchus, den Gott des Weines und des Rauschhaften, verehrt. "Manchmal sind es einfach nur Sauflieder, aber zwischendurch zeigt sich auch eine tief empfundene Schutzlosigkeit - das Leben als Jammertal", beschreibt der Dramaturg die Weltauffassung Bellmans. Er habe kein Sendungsbewusstsein über das Jenseits, sondern über das Diesseits. Dabei haben seine Texte nichts Belehrendes, vielmehr sind sie witzig. Eines der Vorbilder für seine Lieder war der Uhrmacher und Trunkenbold Fredman, der namensgebend für Bellmans Fredman- Episteln war. Das andere Personal seiner Gesänge steht Fredman in nichts nach. "Sie zeugen von einem (spät-)barocken Lebensgenuss, der sich in der Liebe und in der Trinkfreude zeigt", heißt es dazu in der Presseinformation des Theaters.

Vorausschau, 27.3.2014 von Tim Ehlers