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Sechs Tanzstunden in sechs Wochen

Schauspiel von Richard Alfieri

Termine

Als die Predigerfrau Lily sich einen Tanzlehrer ins Haus bestellt, rechnet sie nicht mit Michael, einem hitzköpfigen, mimosenhaften Italiener. Zwischen Lily und Michael kracht es schon bei der Begrüßung und beide gehen zunächst nicht aufrichtig miteinander um – aber bei Swing, Tango, Walzer, Foxtrott, Cha-Cha-Cha und Twist kreuzen sie ihre Klingen mit Genuss und fassen langsam Vertrauen zueinander.

In leichtfüßigen, schnellen Dialogen erzählt „Sechs Tanzstunden in sechs Wochen“ vom Beginn einer wunderbaren Freundschaft zwischen zwei komplizierten Charakteren – und von der Entdeckung eines der charmantesten Tanzpaare seit Ginger Rogers und Fred Astaire. Richard Alfieri studierte in Yale und begann seine Theaterkarriere in New York bei dem Schauspiellehrer Sanford Meisner. Er hat Drehbücher, Theaterstücke und den Roman „Ricardo – Diary of a Matinee Idol“ geschrieben, der später die Vorlage für sein Drehbuch zu dem Film „Moonlight Blinde“ war. Richard Alfieris Drehbücher wurden mehrfach ausgezeichnet. Für „Harvest of Fire“ sowie für den Emmy-nominierten Film „I Love Liberty“ erhielt er jeweils den Writers Guild Award; „A Friendship in Vienna“, den Alfieri auch produzierte, wurde ebenfalls für den Writers Guild Award nominiert und erhielt den Grand Prize des New York Film and Television Festivals. Richard Alfieri hat bisher zwei Theaterstücke geschrieben: „The Sisters“, das 2004 nach Alfieris Drehbuch auch verfilmt wurde, und „Sechs Tanzstunden in sechs Wochen“ („Six Dance Lessons in Six Weeks“), für das bei Universal Pictures ebenfalls eine Verfilmung in Vorbereitung ist. Das Stück wurde am 29. Mai 2001 im Geffen Playhouse Westwood uraufgeführt und am 19. März 2003 am Renaissance-Theater Berlin zum ersten Mal in deutscher Sprache gezeigt.

PRESSESTIMMEN

Publikum feiert Premiere der "Sechs Tanzstunden"

Stralsund- Obwohl vielfach beklagt wird, das es so viele alte Menschen gibt, die vereinsamen, wird nur selten thematisiert, wie diese Menschen damit fertig werden. In diese Lücke drängt der amerikanische Autor Richard Alfieri mit seinem Schauspiel "Sechs Tanzstunden in sechs Wochen", das 2001 in Westwood California uraufgeführt und 2003 am Berliner Renaissance -Theater in deutscher Sprache erstaufgeführt wurde. Am Donnerstag erlebte das Stück im Gustav-Adolf-Saal der Kulturkirche seine Stralsunder Premiere. Der Autor schafft es, dem ernsten Thema eine heitere Seite abzugewinnen. Der "Eintänzer" seit den 20er-Jahren des 20. Jahrhunderts in Mode gekommen, aber nicht gerade in bestem Ruf stehend, wird hier zu einer zentralen Figur. Aus einem Dienstleister mit angeschaffter Fröhlichkeit entpuppt sich gleich einem Schmetterling ein nachdenklicher Melancholiker, der eigentlich ebenso viel Zuwendung brauchte, wie die alte Dame, die ihn als Tanzlehrer engagiert hat. Alfieris Figuren: Die wohlhabende Witwe Lily Harrison hat sich über eine Agentur einen Tanzlehrer ins Haus bestellt. Michael Minetti, ein arbeitsloser schwuler Revuetänzer, braucht diesen Job nötig. Beide begegnen einander mit Vorurteilen. In dem Maße, in dem sie diese abbauen, finden sie als Menschen allmählich zueinander. Lily, die 72-Jährige, bis zum Tode ihres Mannes, eines sittenstrengen Baptistenpredigers, unter seinem Kuratel lebend, gesteht Michael, sie wolle die Jahre, die ihr verblieben, noch ausleben. Der Tanzunterricht sei nur Vorwand, sie suche einen Partner. Die Tänze könne sie längst. Michael erlebt das Wunder, sich mit der "alten Schachtel", wie er sie anfangs beschimpft, echt anfreunden zu können. Die kranke Frau wird sich auf seine Hilfe verlassen können. Gabriele M. Püttner und Marco Bahr spielen diesen komplizierten Prozess der Annäherung, wofür der Tanz eine Metapher ist, äußerst sensibel. Püttner, anfangs die distanzierte, zur Selbstkontrolle fähige Lehrerin, am Ende wie ein kleines Mädchen, schutzbedürftig. Marco Bahr, zuerst der coole Typ mit gelegentlich lausbubenhaften Ausrutschern überzeugt auch als fürsorglicher Freund Lilys am Ende. Dass die Tänze von Swing über Tango und Walzer bis zum Twist- von den Schauspielern so professionell getanzt werden, ist sicher der Verdienst von Choreografin Sabrina Sadowska. Sie ist mit dem Regisseur Matthias Nagatis damit eine unverzichtbare Partnerin. Die Tänze wirken nicht wie Einlagen, sondern sind integrierender Bestandteil der vom Publikum gefeierten Inszenierung.

 

Ostseezeitung, 14.03.2009 von Jenny Rautenberg