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"Der hat doch keinem was getan"

Klaus

Ein Stadtprojekt

Termine

Gemeinsam mit den Einwohnern der Stadt Greifswald möchten sich Thomas Putensen und das Musiktheaterensemble des Theaters Vorpommern der Geschichte eines Greifswalders nähern, der in dieser Stadt geboren wurde, dort gelebt hat und dort erschlagen wurde. Gemeint ist Klaus Dieter Gerecke. Sein gewaltsamer Tod im Jahr 2000 hat große Anteilnahme und Bestürzung in der Bevölkerung hervorgerufen. Doch was ist geblieben? Wer war Klaus Gerecke eigentlich? Heute erinnert eine Gedenktafel an den Tag seines Todes, aber wie hat er gelebt? Viele Greifswalder werden sich sicher noch an „den Kläuser“ erinnern – er prägte das Stadtbild.

Mit dem Stadtprojekt „Klaus“ wird das Spielzeitmotto des Theaters Vorpommern bürglerlIch noch einmal wörtlich genommen. Eine Spurensuche, eine Rück- und Umschau, mit Spielwitz, Hintergrundinformationen, großer Musik und bewegenden Momenten – ein großer Abend über einen kleinen Mann und eine verabscheuungswürdige Tat.

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PRESSESTIMMEN

Zuschauer und Darsteller lassen Emotionen freien Lauf

Am Dienstagabend feierte das Theater Vorpommern zusammen mit acht Greifswalder Laienschauspielern die Premiere des Bürgerstückes 'Klaus'.


Herzrasen, schwitzige Hände: Aufregung macht sich unter den Laiendarsteller breit. Am Dienstagabend feierte das Bürgerstück 'Klaus' in der vollbesetzten Mensa am Wall Premiere. Fast drei Stunden wurden die Zuschauer Zeugen der Geschichte des im Juni 2000 getöteten Greifswalder Obdachlosen Klaus-Dieter Gerecke. Persönliche Briefe, die Gerecke an den Bürgermeister schrieb, wurden von den Protagonisten vorgetragen, Auszüge aus den Gerichtsakten verlesen. Zusammen mit dem Stralsunder Opernchor des Theaters Vorpommern sangen die Laiendarsteller die von Thomas Putensen geschriebenen Lieder aus seiner Oper 'Die Kotzbrocken'. Auf einer Leinwand waren Bilder von Gerecke zu sehen. 'Ich wusste vorher gar nicht, worum es eigentlich geht', gestand der Geologiestudent Marco Schade. 'Es war wie eine Mischung aus Gedenkfeier und Aktionskunst. Es war irgendwie bizarr', sagte der 26-Jährige nach der Aufführung.

Das Stück sollte vor allem eines: Emotionen hervorrufen. Und das gelang den Darstellern. 'Als das detaillierte Gerichtsprotokoll vorgelesen wurde und die Protagonisten die Tat nachstellten, hätte ich den echten Täter am liebsten auf die Bühne gezerrt', so der 49-jährige Axel Schulz. Er findet es unbegreiflich, dass der Täter laut Recherche des Theaters heute zweifacher Familienvater ist und in Greifswald lebt. 'Vielleicht saß er heute ja auch als Zuschauer hier', sagte Schulz, dessen Lebensgefährtin selbst als Laiendarstellerin auf der Bühne stand. 'Dafür bewundere ich sie', stand für Schulz fest. 'Ich habe gehört, wie einige Zuschauer geweint haben', berichtete der 61-jährige Reinhard Zölitz, der den nachgestellten Tathergang als bedrückend, aber auch als berührend empfand.

Dass bei der Aufführung Laiendarsteller beteiligt waren, merkten die Zuschauer nicht nur bei einigen wenigen Textaussetzern, sondern auch bei kleineren Gefühlsausbrüchen der Protagonisten. Jens Krafczyk, im normalen Leben Besitzer einer Männermodenboutique, konnte seine Tränen während des Stückes nicht zurückhalten. 'Als ich auf der Bühne lag, hat es mich überwältigt', sagte er.

Zu lachen gab es nur wenig. Die bewegende Inszenierung wählte Regisseurin Henriette Sehmsdorf bewusst so aus, dass es nachdenklich stimmen sollte: 'Wenn Theater eines bewirken soll, dann Emotionen', sagte Sehmsdorf, die zusammen mit den Laiendarstellern im Januar mit den Proben begann und mit ihnen die Inszenierung plante. Komponist Putensen teilt die Meinung von Sehmsdorf allerdings nicht: 'Ich fand es sehr traurig und hätte mir mehr komödiantische Einlagen gewünscht'. Im Großen und Ganzen sei er aber zufrieden mit der Umsetzung seiner Lieder.

Auch wenn es zwischenzeitlich sehr emotional wurde, ging es im Anschluss für die Darsteller und Zuschauer zur Premierenfeier.

Ostsee-Zeitung, 15.5.2015 von Christin Weikusat