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Sunset Boulevard

Fotos: MuTphoto

Sunset Boulevard

Ballett von Ralf Dörnen nach dem gleichnamigen Film von Billy Wilder Musik von Erich Wolfgang Korngold, Elmer Bernstein und Victor Young

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Termine

Norma Desmond, einst ein gefeierter Stummfilmstar, lebt abgeschieden und von der Welt vergessen mit ihrem Butler Max in einer luxuriösen Villa am Sunset Boulevard in Hollywood. Durch Zufall bricht der mittel- und arbeitslose Autor Joe Gillis in diese Scheinwelt aus Zelluloid-Erinnerungen ein; Norma sieht in ihm eine Chance fuer ein Comeback ins Filmbusiness und ins "wahre Leben". Doch Sehnsüchte, Erinnerungen, Ängste und unerfülte Hoffnungen zerstören den Traum von der Rückkehr zum Ruhm und führen unausweichlich zum tragischen Ende...

Die musikalische Grundlage bilden Kompositionen von Erich Wolfgang Korngold, der wie Billy Wilder in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts aus Deutschland nach Amerika emigrierte und neben grossartiger sinfonischer Musik zahlreiche Filmkompositionen schuf, die ihm zwei Oscars bescherten.



PRESSESTIMMEN


Ballett tanzt den Irrsinn der Traumfabrik Hollywood


Ralf Dörnen bringt in Greifswald Billy Wilders „Sunset Boulevard“ als Tanzstück auf die Bühne. Premieren-Publikum spendet langanhaltenden Beifall.

[...] Was Dörnen da mit seinem Ensemble auf die Bühne gestellt hat, ist eine dicht gestrickte Erzählung und ein luxuriöses Bildertheater, überströmende Musikauswahl, ein Kopfkino, eine emotionale Explosion und totaler Zuschauersog ... Dass der Film jetzt zum ersten Mal stumm vertanzt worden ist und trotzdem die ganze Handlung dahinfließt wie auf Schlittschuhkufen, das hätte Wilder sicherlich aufs Höchste amüsiert. Barbara Buck ist Norma Desmond, die alternde Diva, die in dem jungen Drehbuchautor Gillis ihre letzte Rettung sieht. Das hat damit zu tun, dass die skurrile Diva ihr ganzes Leben als einen Film inszeniert, der nie langweilig werden darf. Ein sekundierender Butler Max (wieder Stefano Fossat) hält ihr dabei den Leuchter. Dahinein also kommt der junge Gillis auf der Flucht vor einem Freund, dem er Hörner aufgesetzt hat. Mit genau richtig wenig Bühnenaufwand (Klaus Hellenstein), aber einer riesigen Treppe, von der man dekorativ herunterschreiten kann und von der herunter man prima zielen kann, wenn man seinen jungen Liebhaber erschießen will. Es endet wie im wirklichen Film sozusagen. Und mit dem Tanz der sieben Schleier der Salome, die ihren Liebsten um einen Kopf kürzte.

Norma Desmond ist die letzte Rolle, die Barbara Buck tanzen wird. Was für eine Rolle, mit der sie sich von der Bühne und ihrem Publikum verabschiedet. Alles hat sie dieser Norma noch einmal gegeben. Die mondäne Egozentrikerin, arrogante Zicke, das zerbrechliche Mädchen, die Furie mit hysterischer Stummfilm-Mimik, die klassische Schönheit der 20er Jahre und einen hinreißenden und rührenden Charly Chaplin ...

Der eine oder andere Zuschauer meinte, das Ballett sei mit zweieinhalb Stunden ein wenig zu lang gewesen. Aber wer kommt denn auf so etwas? Vielleicht war es der langanhaltende Applaus, der überhaupt schuld war an der Überlänge dieses für mich niemals enden sollenden Abends.

Von Juliane Voigt, OZ Kultur vom Mon, 18. November 2013


Tanzend über Hollywoods Traumstraße

 

Das BallettVorpommern landet einen Coup mit Billy Wilders Klassiker „Sunset Boulevard“ als Tanztheater auf der Bühne.

[...] Hollywood hat viele Gesichter. Nicht allein Glamour und Ruhm brachte die Traumfabrik ihren Stars und Sternchen ein. Mit dem Aufkommen des Tonfilms standen einstige Diven wie Mae West, Pola Negri oder Gloria Swanson über Nacht im Abseits. Für letztere entschied sich vor über fünfzig Jahren Billy Wilder (1906 – 2002) bei der Besetzungsliste seines heutigen Klassikers „Sunset Boulevard“. Drei seiner sechs Oscars gewann Wilder damit auf einen Streich für das beste Drehbuch, die beste Regie und den besten Film. Als Musical brachte Andrew Lloyd Webber 1994 Wilders einstige Abrechnung mit den großen Studios heraus. Als exzellentes Tanztheater präsentierte sie Ralf Dörnen als weltweit erster Choreograf.

Ausgezeichnet spielt Ralf Dörnen bei „Sunset Boulevard“ mit dem Medium Film, fügt herrlich griffige Choreografien ein und präsentiert dabei eine bestens aufgelegte Kompanie. Wohl platzierte Gags, anrührende Zweisamkeiten und ausgelassener Ensemble- Rock’n’Roll versüßen diese von der ersten Sekunde an verblüffend unterhaltsame Melodramödie [...]

Nordkurier vom Mon, 18. November 2013



Ralf Dörnen: «Sunset Boulevard»

[...] Das tut es denn auch beim Theater Vorpommern, und während die Szene immer wieder zwischen Bar und Boudoir wechselt, entwickelt Ralf Dörnen mit tödlicher Konsequenz ein Ballett, das sich nicht allein um Norma Desmond dreht, sondern sehr geschickt die Social Dances jener Jahre mit einblendet. Dank zeittypischer Filmmusik von Erich Wolfgang Korngold, Elmer Bernstein und Victor Young gewinnt das Stück wie von selbst an Schwung, und bevor sich das gerade Gängige erschöpft, kommt Barbara Buck als verkörperte Vergangenheit ins Spiel: eine Aktrice, der das Leicht-Verrückte ebenso grandios zu Gebote steht wie das Schwer-Verzweifelte.

 

Ihre Allüre hat immer einen Hang zur Größe, und doch kann sich die Solistin aus Salvador da Bahia ebenso leichtfüßig und liebenswürdig hineinträumen in einen Pas de deux, der keine Spur übertrieben wirkt. Alles an ihr stimmt – auch wenn sie zwischendurch ihre Contenance verliert. Das muss man erst mal können, und Barbara Buck kann es aus dem Effeff. Gepartnert von Nathan Cornwell, dem man auch einen Fred Astaire glauben würde, stände er hier nicht als unfreiwilliger Liebhaber auf der von Klaus Hellenstein gut bestückten Bühne, wächst sie als Norma Desmond über sich hinaus ...


Von Harmtut Regitz, Internationale Zeitrschrift für Tanz, Januar 2014