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Fotos: MuTphoto

"Soll das etwa heißen, ihr wollt ihn im Keller begraben?"

Arsen und Spitzenhäubchen

Komödie von Joseph Kesselring

Termine

Zwei äußerst liebenswerte alte Damen, Abby und Martha Brewster, die scheinbar keinem Menschen ein Haar krümmen können, zeichnen sich vor allem durch ihre Mildtätigkeit und Kochkünste aus. Der Pfarrer und die Polizei sind ständig zu Gast und lassen sich gern von ihnen mit selbstgebackenen Keksen und Quittenmarmelade bewirten. Als ihr Neffe Mortimer, Theaterkritiker und frisch verlobt, eine Leiche im Haus entdeckt, reagieren die Tanten keineswegs schockiert. Sie weihen ihn vielmehr in ihre Gewohnheit ein, einsame Herzen, bis dato zwölf an der Zahl, „Gott näher zu bringen“. Unwissentlich ist ihnen dabei ihr Neffe Teddy behilflich, der sich für Roosevelt hält, im Keller des Hauses den Panama-Kanal ausgräbt und nebenbei die Opfer des „Gelbfiebers“ begräbt. Als Mortimers verschollen geglaubter Bruder, der gesuchte Serienmörder Jonathan Brewster, mit einem weiteren Toten im Gepäck auftaucht, wird die Sache ein wenig kompliziert: Wie geht man mit so vielen Leichen um, wenn ständig die Polizei zu Gast ist?

Joseph Kesselrings schwarze ¬Komödie feierte 1941 am New Yorker Broadway Premiere – es war der Beginn eines Welterfolgs. In der zauberhaften Verfilmung mit Cary Grant als Mortimer wurde sie zu einem Klassiker des Genres.

PRESSESTIMMEN

Grauen hinter Spitzengardinen

OZ vom 9.11.2015

Theater Stralsund zeigt die schwarze Komödie „Arsen und Spitzenhäubchen“

 

Stralsund. Es ist das Absurde im Alltäglichen, das Abnorme im Normalen, was uns erschaudern lässt.

Manchmal wartet hinter Spitzengardinen und Vorgartenidylle das blanke Grauen: Abby und Martha Brewster sind zwei reizende alte Damen. Wer hätte gedacht, dass sie im Keller ihrer Vorstadtvilla zwölf Leichen haben? Alleinstehende Herren, die sie mit einem Arsen-Holunderwein-Cocktail ins Jenseits beförderten. Der hoffnungslosverrückte Neffe Teddy, der sich für Theodor Roosevelt hält, hatte die Leichen in der Annahme, den Panamakanal auszuheben, im Keller begraben. Als der Neffe Mortimer die Tat entdeckt, sind die Tanten keineswegs schockiert, sondern meinen, in einem Akt des Erbarmens gehandelt zu haben. Dann taucht auch noch Mortimers verschollen geglaubter Bruder Jonathan Brewster, ein gesuchter Serienmörder, mit einer weiteren Leiche auf. Der Mord ohne Reue ist das Skandalöse, aus dem der Deutsch-Amerikaner Joseph Kesselring seine Komödie „Arsen und Spitzenhäubchen“ schuf. 1941 feierte sie am New Yorker Broadway Premiere, wurde zu einem Welterfolg und später mit Cary Grant als Mortimer verfilmt. Am Samstag hatte das skurrile Theaterstück in Stralsund Premiere. Axel Stöcker, ehemaliger Hausregisseur am Volkstheater Rostock und zurzeit Gastregisseur am Theater Vorpommern, hatte es nach der Vorlage Kesselrings inszeniert. Mit seiner Aufführung überhöhte und verfremdete Stöcker den Wahnsinn, kultivierte ihn im Boulevardesken. „Was das Stück so spannend macht, ist das Abgründige, das hinter friedlicher Fassadenbürgerlichkeit lauert“, erklärte der Regisseur. Der Abend verband makaberen Witz und behaglichen Komödienflausch, Urkomisches mit Grässlichem. Außergewöhnlich waren auch die Lust und die Finesse der Darsteller. Das Ensemble schien sich in der Hölle des Schaurigen gefunden zu haben. Chiaretta Schörnig und Claudia Lüftenegger gaben zwei bezaubernde Tantchen ab, denen man sogar einen Mord hätte verzeihen können. Annemarie Bierstedt