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Surrogates - mein zweites Ich

Fotos: MuTphoto

Surrogates - mein zweites Ich

Spiel mit Puppen und Menschen nach dem Film von Jonathan Mostow und dem Comic von Robert Venditti (Text) und Brett Weldele (Zeichnungen)

Termine

Zwei Surrogates werden vor einem Nachtclub zerstört. Diese Surrogates, ferngesteuerte Roboter mit menschlicher Erscheinung, können in ihrem Aussehen ganz den Wünschen ihrer Benutzer angepasst werden, weshalb selbst ein Einkauf im Supermarkt optisch einem Dolce-&-Gabbana-Werbespot gleicht. Die Behörden stufen den Vorfall schnell als Vandalismus ab – doch als die FBI-Agenten Tom Greer und Jennifer Peters die Wohnungen der Benutzer aufsuchen, stoßen sie dort auf deren echte Leichen und damit auf den ersten Mordfall seit Jahren. Im Zuge der Ermittlungen entdeckt Greer eine groß angelegte Verschwörung. Sie veranlasst ihn, das erste Mal seit langer Zeit auf seinen Surrogate zu verzichten und selbst das Haus zu verlassen …
Der Comic „The Surrogates” ist inspiriert durch „Second Life” und andere Online-Rollenspiele und gelangte durch den gleichnamigen Film mit Bruce Willis zu Berühmtheit. Gemeinsam mit dem Theater Handgemenge hat sich das Theater Vorpommern dem Spiel mit den „fleischgewordenen Profilen” gestellt und seine Version des Thrillers um Identität, Humanität und echte Liebe erspielt.

Wiederaufnahme am 15. August 2015

PRESSESTIMMEN

Spiel mit Puppen und Menschen

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Surrogates, das sind in dem gleichnamigen Science-Fiction-Action- Thriller von Jonathan Mostow humanoide Roboter. Sie wirken menschlich, werden aber von ihrem jeweiligen "Operator" über eine neuronale Verbindung ferngesteuert. Alle machen das so. Bis auf ein paar "Dreads", die in einem Reservat für eine Surry-frei Zone kämpfen, geht niemand mehr als Original auf die Straße. Wenn was passiert, ist man ja tot. Surrogates hingegen bezahlt die Versicherung. Es sieht also erst einmal nach Vandalismus aus, als vor einer Bar zwei kaputte Surrogates herumliegen. Hier und da abgerissene Gliedmaßen, verschmorte Kabel. Der Täter aber hat, wie sich bald herausstellen wird, nicht nur die Surry's "gegrillt". Ihre Besitzer findet man ebenfalls tot in ihren Wohnungen. Es beginnt die Jagd nach der Superwaffe, mit der eine Person die ganze Menschheit auslöschen will. Ein Fall für Bruce Willis. Im Film spielt der nämlich die Hauptrolle. Soviel zur Vorlagen, die auf einem Comic von Robert Venditti und Brett Wedele beruht. Auf dieser Bühne aber sind Markus Voigt und Josefine Schönbrodt die Ermittler Tom Greer und Jennifer Peters. Auf der Bühne liegen Dinge herum. Ein Telefon, Bilder, eine Türklinke, Schilder, Requisiten, überall sitzen und liegen Barbie und Ken herum, große Puppen, kleine Puppe, blutüberströmte Puppen. Zwischendrin kleine Kameras auf Stativen. Und ein paar Schauspieler. Es sieht furchtbar kompliziert aus. Auch hinter der Gazewand erkennt man noch eine Spiel-Ebene. Aber plötzlich reißt der Löwe in der Mitte der Bühne das Maul auf und Goldwyn Mayer zieht das Publikum einmal mehr in einen Blockbuster. Festgehalten! Augen auf und los geht es ! In Echtzeit wird hier der ganze Film gespielt, in unzähligen Einzelszenen gefilmt und projiziert. Mit Puppen, Schauspielern und fantastischen Einfällen. Ein Hubschrauber stürzt ab. Es gibt rasante Verfolgungsjagden. Verhöre, Gespräche, lässige Witze. Saukomisch dieses Vordringen in den Hochsicherheitstrakt. Da bekommt auch das total überzogene Hollywood- Kino seine Seitenhiebe ab. Miles Strickland hat die Waffe und klettert mühsam eine schier unüberwindliche Wand hoch, um sich ins Reservat zu retten. Oben aber wartet schon der grimmige Officer Greer, der ihm die Waffe, eine Art Tauchsieder, entreißen will. Es geht um Leben und Tod. Und das alles auf einer Hinterbühne. Das Stück von Regisseur Klaus Gehres schafft sogar, wo der Film gescheitert ist. Die Schauspieler steigen an der Stelle aus, wo es im Film bekanntermaßen unlogisch und flach wird. Das ist ja das Großartige am Theater. Dann muss man das eben mal erklären. Und dann gehts weiter mit einem furiosen Finale. Dieser Abend macht so einen Spaß. Unbedingt ansehen.

Juliane Voigt

Nachtkritik vom 21.10.2013