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Oh die Rose, ach, die Rose ist der Blumen Königin.

Rosen

Tanzabend von Ralf Dörnen Musik von Tschaikowskij bis Seal

Termine

Die Rose fasziniert seit Jahrtausenden mit ihrem Duft und ihrer Schönheit und ebenso lange erinnern ihre Dornen daran, dass die Schönheit immer ihre Kehrseite hat. Gärtner regt die Rose zu immer neuen Züchtungen an; sie inspiriert Dichter, Komponisten und Liebende, gilt – je nach Farbe und Zustand – als Symbol des Lebens und der Liebe, aber auch als Symbol des Todes und der Geheimhaltung. Und so ist „Rosen“ ist eine kontrastreiche Hommage an die „Königin der Blumen“ voller Humor und Überraschungen.

Ralf Dörnen und das Ensemble des BallettVorpommern huldigen der Rose in einem unterhaltsamen Arrangement aus literarischen, musikalischen und tänzerischen Reminiszenzen mit einem poetisch-humorvollen Streifzug durch die Genres und Epochen – von Tschajkowskijs „Dornröschen“ über „Spectre de la rose“ („Der Geist der Rose“), das „Heidenröslein“, den „Rosenkavalier“ und die von Rilke-inspirierten „Chansons des Roses“ bis zu Seals Soul-Hit „Kiss From a Rose“.

„Rosen“ ist ein Abend wie ein Blütenkelch: Langsam sich öffnend und dabei doch mit jeder Szene ein Blatt verlierend, zerstäubt er seine Bilder am Ende nur noch als leichten Duft in der Luft. Indes nimmt er sich nicht immer allzu ernst und hält es ganz mit Gertrude Stein:

Rose ist eine Rose ist eine Rose ist eine Rose ist eine Rose ist eine Rose ist eine Rose ist eine Rose ...

PRESSESTIMMEN

Hartmut Regitz, "Tanz"

 

"Ralf Dörnen ist ganz sicher nicht auf Rosen gebettet. Noch längst nicht alle Fusionspläne sind vom Tisch. Und auch sonst droht von der Politik, aber nicht nur von dort, immer wieder Ungemach. Doch das Theater in Stralsund ist seit vergangenem Jahr hundert, das in Greifswald wird es in diesem werden, und da hat sich der Chefchoreograf zur Feier des Tages ein Ballett einfallen lassen, das hoffentlich auch dann noch auf dem Programm steht, wenn 2020 die dritte Spielstätte im Verbund, d. h. das ehemals Fürstliche Schauspielhaus in Putbus, an ihr 200-jähriges Bestehen erinnert. Die Aussichten sind günstig, denn Dörnen ist ein Ballett geglückt, das die unterschiedlichsten Szenen zu einem Strauß bunter «Rosen» bindet. Die kichernden Mädchen beispielsweise, die zu einem Schlager von Lys Assia auf eine Garde angehender Kavaliere treffen, könnten einem Stück von Pina Bausch entstammen, ohne dass sie dabei ihre Eigenart verlieren. Kurz darauf ist von den «Drei schwarzen Rosen» die Rede, und die offene Bühne mit einer Plexiglas Verkleidung im Hintergrund scheint sich für einen Song in einen Ballroom zu verwandeln. Doch Blumen welken, und nicht jede Beziehung hat Bestand. Hätte der Gärtner seine Harke zur Hand, endete das Ganze womöglich in einem Akt brutaler Gewalt. Es gibt auch einen Blumenverkäufer als durchgehende Figur. Der verkauft Nathan Cornwell eine Rose, auf dass er sich verwandelt in derenGeist, so wie ihn Hector Berlioz beschreibt in seinem Liederzyklus «Les Nuits d’été»: Grund für ein Duo mit Zoe Ashe-Browne, das Dörnen schwerelos schön choreografiert, als wär’sein Traum. Der ist wenig später tatsächlich in Fokines Original zu sehen, wenngleich ohne den Fenstersprung, der seinerzeit ≪Le Spectre de la rose≫ zu einem singularen Ereignis machte.

Gleichwohl tupfen Margaret Howard und Dominic Harrison ihren Tanz so leichtfüßig in den Raum, als wollten sie noch vor der Pause seinen transitorischen Charakter sichtbar machen. Eher abstrakt interpretiert Dornen danach abwechslungshalber die ≪Chansons des roses≫, denen Morten Lauridsen 1996 Gedichte von Rainer Maria Rilke unterlegt hat. Gleichwohl gewinnt man den Eindruck knospender Bewegungen, die erst nach und nach ihre ganze Blütenpracht entfalten. Anders "Kiss from a Rose", gesungen von Seal, in dem sich alle Rosen wie in einem Bouquet zu bündeln scheinen, bevor ein ins Weibliche verfremdeter Rosenkavalier (Ayako Nomura) der aufgeregt trippelnden Sophie (Zoe Ashe-Browne) ein weiteres Exemplar überreichen kann. Doch selbst die silbernste Rose ist nicht ohne Dornen, und auch die Wirklichkeit sieht manchmal anders aus als in einer Strauss-Oper. Dornen zettelt zwar im Anschluss keine Rosenkriege an, aber ein ≪Krieg im Vorgarten≫ darf schon mal sein, noch dazu wenn er so unterhaltsam parodistisch gerat wie hier. Am Ende lasst er ohnehin auf das Publikum rote Rosen regnen – ganz so, wie sich das schon vor der Pause Hildegard Knef wünscht, die auch beim Finale das letzte Wort behalt. Zur Freude der Zuschauer, die Ralf Dörnen und das Theater Vorpommern Begeistert feiern."

 

Michael Meyer, Ostseezeitung, 2.11. 2015

Für das Theater Vorpommern soll’s rote Rosen regnen
Die Ballettinszenierung „Rosen“ von Ralf Dörnen zum 100. Geburtstag des Hauses in Greifswald verzaubert 440 Premierengäste

Greifswald. „I beg you Pardon. I never promised you a Rose Garden!“ Doch hat er. Vielleicht nicht versprochen, aber gezeigt. Seit 18 Jahren führt Ralf Dörnen dem vorpommerschen Theaterpublikum vor, dass es, was Ballettinszenierungen angeht, in einem Rosengarten lebt. Und dieses Versprechen auf gutes Ballett löst er Saison für Saison ein. Nun, zum 100. Geburtstag überreicht der Ballettdirektor seinem Theater mit der Inszenierung „Rosen“ einen riesigen Blumenstrauß. Und wer denkt, das Publikum weiß nicht zu schätzen, was für einen Schatz es im Vorpommerschen mit seinem Ballettdirektor, einem Schüler John Neumeiers, beherbergt, der irrt. Tosender Applaus zum Schluss, zehn Minuten; wer sich in den 100 Minuten im mit 440 Zuschauern voll besetzten Großen Haus umsah, blickte in staunende, selig lächelnde Gesichter. Dörnens „Rosen“ ist ein Potpourri der Musikgeschichte, bei dem Titel mit Rosen im Zentrum stehen. Aber nicht nur. „Rosen“ ist auch ein Tanz der Emotionen, der nie belanglos wird. Es geht nicht ums reine Hinstellen schöner Bilder mit der Klammer von Rosen-Liedern. Die Relevanz wird über Menschlichkeit erzielt. Es geht um unsere Sehnsüchte, unsere Verlorenheit als Mensch, in jeder Zeit. Dörnen reiht nicht mal Seal an Tschaikowski, Strauss an Orange Blue um der Effekte willen. Gebaut ist dieses Ballett um drei Motive und Bilder. „Rosen“ startet mit einem Prolog von Gilbert Becauds „L’important, c’est la rose“, in dem der Gärtner (blendend gut Dominic Harrison) aufräumt, träumt und sich tanzend der Gartenarbeit hingibt. Dann folgen Bilder, wie der Abschlussball mit Evergreens der 1970er Jahre „Rote Rosen, rote Lippen, roter Wein“ (René Carol), „Weiße Rosen aus Athen“ (Nana Mouskouri) oder „Drei schwarze Rosen“ von Daliah Lavi. Gleich darauf geht’s ins motivische Zentrum:„Le Spectre dela Rose“ – diesem Aufbruch ins moderne Ballett 1911 von Carl Maria von Weber. Dörnen stellt sein Spectre in Jugendstildeko mit für heutige Sehgewohnheiten fast albern wirkendem Kostümtüddellütt nah am Original in ein spartanisches Bühnenbild (Cornelia Brey) aus Glassichtwänden. Das könnte ein Wartesaal sein oder die Zwischenwelt eines Flughafens, es ist aber wohl einfach nur ein Gewächshaus. Webers Fassung wird gerahmt von „Le Spectre de la Rose“ aus Hector Berlioz’ Liederzyklus „Les nuits d’été“ aus dem Jahr 1843 und dem Popsong „Kiss from a Rose“ von Seal von 1994. Darauf folgt Hilde Knef: „Für mich soll’s rote Rosen regnen“, es tanzt der Rosenverkäufer, den jeder vom Ausgehen kennt („Wolle Rose kaufen?“), der am Schluss Rosen über die Schlafende streut und sie ihr in den Arm legt, bevor er einsam abgeht. Die Verlorenheit des Menschen, seine Einsamkeit, seine Sehnsüchte im Wandel der Zeit. In Seals „Kiss from a Rose“ lässt die Inszenierung den Fensterputzer im roten Blaumann die schlafende Schönheit umtanzen. Doch hier wird sie im Tanz aktiver, erlöst aus der Haltung des passiven Objekts der Begierde. Dem Zeitgeist entsprechend erhält die Frau hier ihre Emanzipation. Ein Füllhorn grandioser Ideen – natürlich mit dem „Heideröslein“, Richard Strauss’ „Rosenkavalier“ und Tschaikowskis „Dornröschen“. Das wird betört von einem Regiment edler Prinzen, denen Dörnen, ohne Angst vor Klamauk einen Astronauten in Slowmotion, Mickey Mouse, einen bekifften Jim Morrison im Husarenrock mit Leopardenhose oder einen schrägen Captain Jack Sparrow entgegenstellt – unsere Sehnsüchte im Zeitgeist. Dazu die fünf Gesänge „Les chansons des roses“ für Chor von Morten Lauridsen nach Rilke-Gedichten und der witzig bis wahnwitzige „Krieg im Vorgarten“ mit Songs von Nina Simone („Here comes the sun“) bis Jeff Waynes „Krieg der Welten“. Man fragt sich: Wo holt der Mann all diese Ideen her?