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TanZZeiT 2016

Zwei zeitgenössische choreographische Uraufführungen

Text Delegatet Text (No.)24/7

Termine

Alle Jahre wieder bietet die TanZZeiT Zuschauern wie Tänzern die Möglichkeit, sich auf ungewohnte Bewegungssprachen einzulassen und die Vielfalt des Zeitgenössischen Tanzes zu entdecken. Hierzu lädt das BallettVorpommern seit 1995 internationale Choreographen ein und entwickelt gemeinsam mit ihnen zweiteilige Abende, die ganz unterschiedliche Uraufführungen hervorbringen. Während die Tänzer neben ihrer kontinuierlichen Arbeit mit Ralf Dörnen hierdurch nicht nur andere Handschriften kennenlernen, sondern häufig auch selbst zu improvisatorischem oder choreographischem Engagement angeregt werden, kann das Publikum seine Sinne für fremde Ästhetiken und Ausdrucksformen schärfen. Neugier ist für beide Seiten Voraussetzung, ein neuartiges Erleben von Tanz die Belohnung. Seien Sie also gespannt auf die Kreationen der diesjährigen Choreographen Brigel Gjoka aus Albanien und Adam Sojka aus Tschechien, letzteren konnten Sie bereits im Sommer 2014 als Gastsolist in „Carmen“ erleben! Und wem das Zuschauen allein nicht reicht, der kann dem Zeitgenössischen Tanz an einem ausgewählten Wochenende gleich selbst hautnah begegnen – mehr Informationen zu den Workshops unter der Rubrik Theaterpädagogik.

 

Delegatet

Konzept und Choreographie von Brigel Gjoka
Musik von Arne Stevens

„Delegatet“ ist albanisch und bedeutet „Delegierter“. Im Mittelpunkt von Brigel Gjokas Choreographie steht die Menschheit, deren Delegierte oder Repräsentanten wir alle sind. Inspiriert und beeinflusst von der energiegeladenen Erdigkeit albanischer Folklore erzählt „Delegatet“ von dem Stamm namens Menschheit, der seit Jahrtausenden über die Erde wandert – immer auf der Suche nach den optimalen Bedingungen, seine Grundbedürfnisse zu stillen. Dazu gehört gleich nach Essen und Trinken das Bedürfnis nach Glück, nach Liebe, Freiheit, Lebensfreude, Musik und Tanz. Immer wieder schaffen Menschen sich Systeme – Religionen, Ideologien, Staaten –, die helfen sollen, diese Bedürfnisse zu stillen; immer wieder verlieren sie die Kontrolle über ihre selbstgeschaffenen Systeme und werden Gefangene ihrer eigenen Regeln. Und noch ein Gegensatz steht dem allgemeinen Glück im Wege: Zwar gehören wir alle zum gleichen Stamm und haben die gleichen Grundbedürfnisse, aber gleichzeitig ist jeder von uns einzigartig und hat ganz eigene Vorstellungen vom Glück. So bleibt der Menschheit nichts anderes übrig, als weiter zu wandern und zu suchen …

 

(No.) 24/7

Konzept und Choreographie von Adam Sojka
Musik von Adam Sojka und Petr Duchalik

Routinen. Wir alle kennen sie. Wir alle haben sie. Sie prägen und strukturieren unseren Alltag. Vierundzwanzig Stunden am Tag. Sieben Tage die Woche. Sie geben uns Sicherheit. Sie bewahren uns davor, von zu vielen Entscheidungen überwältigt zu werden. Sie sind uns so vertraut, dass wir nicht mehr über sie nachdenken. Wir stellen sie nicht in Frage, sondern funktionieren einfach. Aber was wäre, wenn uns plötzlich jemand mit einem limitierten Zeitkontingent konfrontierte? Wenn unsere restliche Lebenszeit vor unseren Augen durchs Stundenglas rieselte? Würden wir weiter leben wie bisher? Welche Dinge würden wir unbedingt noch tun? Welche Menschen noch einmal sehen? Welche Entscheidungen treffen? Würden wir unser Leben von Grund auf verändern?

Adam Sojka konfrontiert in seiner Choreographie sieben Tänzerinnen und Tänzer mit der Aussicht auf das Ende und stellt die Frage in den Raum, ob es nicht besser wäre, jeden Tag zu leben, als sei er unser letzter …

PRESSESTIMME

Projekt TanZZeiT in Greifswald: Bewegung als Sprache

Ekkehard Ochs

"... Tragfähig sind beide Konzepte, sie bieten jeweils 45-minütige Handlungsfäden mit Raum sowohl für choreographische Einfälle, auch für offen bleibende Möglichkeiten individuellen Verständnisses. Das gilt für Gjokas lebendige, gegenständlich "griffige", kontrastreiche "Bilder"-folge und für Sojkas rituell-mystisch angelegte, oft wie in Trance und Zeitlupe ablaufende Szenen. Beider Ausdrucksstärke basiert auf einer elektronischen, stereotyp rhythmisierten, differenzierten Klangwelt (Arne Stevens, Adam Sojka und Petr Duchalik). Ihrer Suggestivkraft erwachsen Gestaltungsvielfalt und Ausdrucksintensität, die Dörnens Tanztruppe eigen ist: mit beeindruckenden Solo- wie Gruppenleistungen, einem reichhaltigen Reservoir an fantasievoller Körpersprache und überzeugenden tänzerischen Qualitäten."

Ostseezeitung, 16. April 2016