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Fotos: Vincent Leifer

TanZZeiT 2017

Zwei zeitgenössische choreographische Uraufführungen von Maura Morales und Vera Sander

Termine

  • 01.06.2017 19:30 Uhr Hinterbühne, Greifswald
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  • 03.06.2017 19:30 Uhr Hinterbühne, Stralsund
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Frühlingszeit heißt für das BallettVorpommern und sein Publikum immer auch TanZZeiT. Seit 1995 lädt das BallettVorpommern jedes Jahr zwei ChoreographInnen der internationalen zeitgenössischen Tanzszene ein, die gemeinsam mit den Tänzerinnen und Tänzern zwei – oft ganz unterschiedliche – Uraufführungen erarbeiten. Die TanZZeiT bietet damit dem Publikum und den Tänzern immer wieder die Gelegenheit, sich auf ungewohnte Bewegungssprachen einzulassen und die Vielfalt des zeitgenössischen Tanzes zu entdecken. Im Jahr 2017 geben mit Maura Morales aus Kuba/Düsseldorf und Vera Sander aus Köln zwei in der Welt des zeitgenössischen Tanzes renommierte Choreographinnen der TanZZeiT ein weibliches Gesicht.

Die Musik- bzw. Klanggrundlage beider Stücke entsteht parallel zu den Choreographien in enger Zusammenarbeit zwischen den Choreographinnen und den Komponisten Michio (für Maura Morales) und Dirk Specht (für Vera Sander).

 

Blinzeln, Zwinkern und Drehen lautet der Titel von Maura Morales’ Choreographie, die vom Privatsein in der Öffentlichkeit handelt. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Tänzerinnen und Tänzer Intimität trotz Öffentlichkeit auf der Bühne bewahren können. Das Paradoxon einer Theatervorstellung, in der der Künstler sein Innenleben nach außen kehrt, während die Blicke des Publikums auf ihm ruhen, ist der Ausgangspunkt einer Reise, die weniger nach außen gerichtet ist, sondern vielmehr das Publikum zum tiefsten Inneren der Tänzerinnen und Tänzer führt.

Vera Sanders Choreographie I Don’t Know What the Body Is dreht sich um die Merkmale von Körpern in Bezug auf Gefühle, Energie, Vergänglichkeit, Individualität und Wahrnehmung. Was bedeutet körperliche Präsenz in einer sich rasant verändernden Welt? Woher kommt sie, wie verbreitet sie sich und wann verschwindet sie wieder?


Für die Tänzerinnen und Tänzer ist die TanZZeiT nicht nur eine Chance andere Handschriften und Arbeitsweisen zu entdecken, sondern oft auch eine Anregung zu eigenem choreographischen oder improvisatorischem Engagement. Das Publikum ist eingeladen, seine Sinne ungewohnter Ästhetik und womöglich fremdartigen Ausdrucksformen zu öffnen. Neugier ist für beide Seiten Voraussetzung, ein neuartiges Erleben von Tanz die Belohnung.


Maura Morales absolvierte ihr Studium an der Universität der Schönen Künste in Camagüey/Cuba. Sie war Solistin an verschiedenen Staatstheatern in Kuba, Deutschland und in der Schweiz und ist seit 2008 als freischaffende Tänzerin und Choreografin regelmäßiger Gast bei renommierten internationalen Tanzfestivals. Seit 2010 bildet sie gemeinsam mit dem Komponisten/Gitarristen Michio das Kernkollektiv der zeitgenössischen Tanzcompagnie COOPERATIVA MAURA MORALES, das je nach Konzept und Umfang des Projektes um weitere Künstler/innen erweitert wird. Maura Morales wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Unter anderem erhielt sie 2013 für ihr Tanzstück "Wunschkonzert" den renommierten Kurt-Jooss- Preis, sowie den Jurypreis für die beste Tanzperformance bei der internationalen Tanzmesse in Huesca/Spanien.  2014 wurde sie mit dem Förderpreis für Darstellende Kunst der Landeshauptstadt Düsseldorf ausgezeichnet. 2015 erhielt sie den DURI-Preis beim internationalen Tanzfesitval ACT in Bilbao/Spanien.


Vera Sander ist Leiterin des Zentrums für Zeitgenössischen Tanz und Professorin für Zeitgenössischen Tanz an der Hochschule für Musik und Tanz Köln. Seit 1997 arbeitet sie international als Choreographin und wurde mehrfach mit Preisen ausgezeichnet – u.a. zwei Mal mit dem Kölner Tanzpreis sowie 1998 mit dem Deutschen Video Tanzpreis. Als Gastlehrerin leitet sie professionelle Trainings und Workshops bei zahlreichen Compagnien unter anderem mit dem Tanztheater Osnabrück, Krisztina de Chatel, Itzig Gallili, Adventures in Motion Pictures, DV 8, pact zollverein und tanzhaus nrw. Auch bei der TanZZeiT war sie bereits zweimal – in den Jahren 2000 und 2001 – als Choreographin zu Gast.

 

Workshops
Für alle, denen das Zuschauen allein nicht reicht, die zeitgenössischen Tanz am eigenen Körper spüren möchten, bieten die Choreographinnen auch 2017 Workshops an. Detaillierte Informationen zu Terminen und Anmeldung finden Sie hier.

PRESSESTIMMEN

Intimität im Tanz und atemberaubende Akrobatik

Zwei Stücke, zwei Choreografen: Premiere bei TanZZeit am Theater Vorpommern

von Juliane Voigt

Zwei Choreografinnen, zwei Stücke. Das ist TanzZeit am Theater Vorpommern. In Greifswalder Theater war am Sonnabend Premiere auf der Hinterbühne.

Ihre Bewegungen wirken wie im Zeitraffer und es ist völlig unvorhersehbar, wo sie sich in der nächsten Millisekunde hinwenden werden, an welchem Bein sie sich vergreifen werden, wem sie an den Hals fallen, wie sie ihr Gegenüber herumzerren oder selbst in die Luft gewirbelt werden. Es ist erst einmal zutiefst verunsichernd. „"Blinzeln, Zwinkern und Drehen"“ heißt das Stück für sieben Tänzer und Tänzerinnen von Maura Morales.

Man sieht da etwas, was man zunächst nicht sehen will. Aha, da ziehen sich Menschen aus. Das ist eine ziemlich intime Angelegenheit. Und ein bisschen verschämt nähern sie sich denn auch der Bühnenkante. Diese Art der Entblößung setzt sich im Spiel fort. Sie ziehen an sich herum. An der Zunge, an ihrer Haut, am Anderen. Natürlich stehen da zierliche Muskelpakete, aber man spürt, wie sie langsam in dieser unerträglichen Unmittelbarkeit eine Blase um sich bilden. Die Energien von Außen, die Gier des Zuschauers braut sich zusammen zu einer spürbaren Aura, der Gier des Zurschaustellens.

Maura Morales ist krass! Sie geht auch in ihren Soloprogrammen an Grenzen des unerträglich Selbstzerstörerischen. Eine Künstlerin, die mit dem Musiker Michio eine künstlerische Einheit bildet. Das ist die Musik zur größten Party des ganzen Lebens. Die final zur Ruhe kommt und sich in einer menschlichen Skulptur zurechtformt. Die Körper liegen am Boden, in der Mitte recken sich 14 Tentakel wie die Fruchtstengel in der Blüte einer fleischfressenden Pflanze empor.

Vera Sander schafft mit den sechs Tänzern in ihrem Stück „"I dont know what the Body is"“ ein ganzes Universum. Schwärze und sowas wie der gefürchtete Hades, eine höchst unerfreuliche Unterwelt, tun sich auf. Es sind da Wesen auf der Bühne im Dunkeln. Ja, das lässt sich erahnen, aber nun wachsen sie heran wie große Käfer. Und auch in dieser Produktion bestimmen die alles überlagernden Sounds die Körper-Performance. Hubschrauber, die sich herabsenken, rhythmisches Pochen, Wasserwirbel, Wasserfälle, Lawinen, Regen. Alles ist stärker, als ein kleiner Mensch aushalten könnte. Mal winden sie sich wie von Aliens besessene, wirbellose Schlenkerpuppen, mal sind sie wie Kolben einer stampfenden Maschine zur Synchronizität verdammt. Oder sie verflechten sich so ineinander, dass sich eher die Frage nach dem wohin des Körpers als die nach dem Vorhandensein an sich stellt.

Ballettchef Ralf Dörnen, könnte man denken, säße angstvoll dabei, voller Furcht um die ausgerenkten Gliedmaßen seiner Compagnie. Aber weit gefehlt: "„Die TanzZeit ist für alle ein Gewinn!"“ so Dörnen.

Für die Tänzer, das Publikum und für ihn selbst. Er sah mit großer Faszination zu.

Ein Abend. Zwei Knaller! Nächste Vorstellung ist am Freitag. Vormittags um 11! Auch mal schön.

Ostsee-Zeitung, 24.4.2017