Madame Piaf - Enttarnung einer Diva

Trio Giroux - Pariser Flair

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Ihr Leben lang hat Édith Piaf die blanke Wahrheit nie gescheut. Wer selbst nie in Watte gepackt wurde, neigt nicht zur Verklärung. Insofern nähert Marie Giroux sich in ihrem neuen Programm „Madame Piaf“ der Diva, wie die selbst es wohl ähnlich getan hätte: schonungslos und unprätentiös – nur mit wesentlich mehr Charme und Humor, als die Piaf selbst zu versprühen verstand.

Und es braucht kaum mehr als Giroux‘ Anmoderation, um zu erahnen, dass hier eine französische Chansonsängerin in das Leben einer anderen, noch viel berühmteren Chansonsängerin auf durchaus überraschendere Weise eintaucht, um die andere, unbekanntere Seite der Piaf zu präsentieren. „Ich habe Hängebrüste und einen kleinen, flachen Hintern“, zitiert die Giroux gleich zu Beginn die Piaf, „aber ich kriege die Männer trotzdem.“

Es geht nicht darum, wie Piaf von ihrer leiblichen Mutter kurz nach der Geburt verlassen, von ihrer einen Großmutter vernachlässigt und von der anderen im Bordell aufgezogen wurde. Es geht nicht um ihren zu Gewaltexzessen neigenden, dem Alkoholismus verfallenen Vater, den frühen Tod ihrer einzigen Tochter oder die Ermordung ihres Mentors. Mit der Unterstützung von Labbow diskutieren Giroux und Schäuffelen mit Wortwitz und Schlagfertigkeit nicht minder authentische Außensichten des von Tragödien durchzogenen Leben Piafs: Sie widmen sich den zahlreichen Liebschaften und deren Nutzen für die große kleine Piaf. Es geht ums Trotzdemkriegen.

Das klingt wie eine gefährliche Gratwanderung. Mitreißende Bühnenunterhaltung darf schließlich mit Fug und Recht als große Kunst gelten. Geht es doch darum, Widersprüchen erfolgreich in Einklang zu bringen: Ein Künstler muss den inhaltlichen Erwartungen des Publikums entsprechen, allenfalls darf er sie übertreffen, gleichzeitig muss er es aber überraschen. Das gelingt dem Trio Giroux, Schäuffelen und Labbow, die auch an der Seite von Tim Bendzko und Andreas Bourani tourt, unnachahmlich. Die drei Musik-Hochschulabsolventinnen beweisen bei „Madame Piaf“ ihre imponierende Vielseitigkeit, sowohl durch einfühlsame und erfrischende Eigenarrangements der Chansons mit überraschenden Instrumentenwechseln als auch in der Originalität, mit der sie sich der Männer und Frauen annehmen, die den Lebensweg der Piaf säumten

Das neue Piaf-Programm zeigt, wie die Giroux die Piaf intensiv über ein halbes Jahr lang studiert hat, um ohne unnötige Prüderie, aber mit Expertise eine amüsante Abend-Unterhaltung zusammenzustellen, die nicht allein musikalisch mitreißend ist!!