artEnsemble Bochum: " Im Land der Gottlosen"

Tagebuch und Briefe aus der Haft – für die Bühne eingerichtet von Susanne Hocke und Jürgen Larys

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Helmuth James von Moltke war führender Kopf des "Kreisauer Kreises", einer Widerstandsbewegung, die vor allem versuchte, Entwürfe für ein Deutschland nach dem Ende der Hitler-Diktatur zu entwickeln. In den Nachwirkungen des gescheiterten Attentats vom 20. Juli 1944 wurde die Gruppe enttarnt, von Moltke und andere zum Tode verurteilt und hingerichtet. Die Aufführung benutzt ausschließlich Originaldokumente:
Auszüge aus dem Tagebuch aus der Haft 1944/45, einen Brief von Freya von Moltke an Helmuth James von Moltke. Dem gegenübergestellt werden Texte, die Moltke zu konkreten Zeitpunkten seiner Haft las, vor allem Stellen aus dem Alten und Neuen Testament sowohl aus den Schriften Martin Luthers. Der Abend ist somit auch Dokument eines theologisch fundierten unbeugsamen geistigen Widerstands gegen die Unmenschlichkeit. Die konkrete Spielsituation ist Moltkes Haft in den Gefängniszellen von Tegel und Ravensbrück. Freya von Moltke ist fern und doch anwesend. Die Ausstattung ist der Kargheit einer Gefängniszelle angemessen und rückt den Abend in einen geistigen Raum, der doch immer einer unwirtlichen äußeren Situation abgerungen werden muß.

 

"Ich bin nun den vierten Sonntag hier und habe noch keine Kirchenglocke gehört. Die Sonntagsgeräusche unterscheiden sich von den Alltagsgeräuschen dadurch, dass das Hundegebell noch anhaltender ist und die Marschlieder den ganzen Vormittag füllen … Ich habe nie gedacht, dass das so spürbar wäre."

Helmuth James von Moltke, Konzentrationslager Ravensbrück, 28.2. 1944

Hinweis: Auf dem ehemaligen Moltkeschen Familiensitz Schloss Kreisau wurde 1989 die "Stiftung für Europäische Verständigung" eingerichtet.

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