Inklusives Landestheater Festival Dialoge

Text "Kleine Zweifel" mit Jana Zöll © Clemens Braun Text "Ein Bericht für eine Akademie" mit Samuel Koch und Robert Lang © Robert Schittko

Termine

Miteinander reden, ins Gespräch kommen, sich begegnen, neue Perspektiven erschließen – dafür steht das inklusive Theaterfestival DIALOGE. Nach dem erfolgreichen Start im Jahr 2014 in Schwerin wurde dem Dialoge-Festival im Jahr 2015 der Förderpreis der Richard-Siegmann Stiftung verliehen. Dieses Jahr geht das Festival nun in die vierte Runde, diesmal in der Hansestadt Stralsund. DIALOGE ist ein inklusives Kulturprojekt und Theaterfestival. Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderung können künstlerisch miteinander tätig werden. Verschiedene Kleingruppen arbeiten in Workshops unter der Leitung von Kulturpädagogen. Zum Auftakt des Festivals präsentiert das Staatstheater Darmstadt am 18.9.2017 „Kleine Zweifel“ von Theresia Walser und „Ein Bericht für eine Akademie“ nach Franz Kafka.

„DIALOGE“ finden statt in Auseinandersetzung mit der eigenen Lebenswelt und ihren künstlerischen Erscheinungsformen. Zwischen Menschen, die selten einen Theaterbesuch erleben und Menschen, die regelmäßig im Theater zu Gast sind. Als inklusives, selbstverständliches und wertvolles Miteinander innerhalb einer Gesellschaft. In der Abschlussveranstaltung präsentieren die Workshopgruppen Ergebnisse aus ihrer Arbeit.

Gastspiel: Alle sprechen von Inklusion – selbst die Theaterwelt hat jetzt ihre Inklusion. Sehr prominent verwirklicht am Staatstheater Darmstadt, wo Jana Zöll und Samuel Koch, der 2010 in der Fernsehsendung „Wetten, dass?“ verunglückte, seit 2014 feste Ensemblemitglieder sind.

 

Kleine Zweifel

von Theresia Walser

Ein psychologischer Monolog mit Jana Zöll „Der Wettbewerb macht einen zum Monologmonster, ich kenn mich ja so gar nicht, so pausenlos. Mörder würden am besten verstehen, dass man vor ihnen nicht aufhören möchte zu erzählen, atemlos ist man eh, bei Mördern drängt die Zeit genau wie im Wettbewerb. Diese Nacht hängt an einem dünnen Faden, das sage ich dir ...“ Nur noch fünf Minuten bis zum Auftritt beim Gesangswettbewerb! Angespanntes Warten. Wendla ergreift die Flucht, denn: „Bei mir sind noch kleine Zweifel aufgetaucht. So mir nichts dir nichts sind da Zweifel aufgetaucht, wie so ein kleines Gebiss am Horizont …“ In einem rasanten Monolog lässt Theresia Walser mit viel Humor eine junge Frau ihr Künstler- und ihr Privatleben Revue passieren – inklusive Konkurrenzdruck, Liebesgeschichten und der Hoffnung, ein Star zu werden ...

Inszenierung: Clemens Braun

 

Ein Bericht für eine Akademie
nach Franz Kafka

Mit: Samuel Koch und Robert Lang

Ein Kafka-Text über die dünne Schicht dessen, was wir Zivilisation nennen. Oder über den schmalen Grad zwischen Mensch und Tier: der Bericht eines Affen über seine merkwürdige Menschwerdung; Wie tierisch ist der Mensch? Wie menschlich das Tier? Mit diesem Kafka-Monolog loten die Darsteller die Grenzen unseres Mensch-Seins aus. „Dieser Auftritt ist eine Sensation. Das gilt für den Schauspieler wie für seine Rolle: Der querschnittgelähmte Samuel Koch steht auf der Bühne. Er stapft breitbeinig umher, trommelt sich auf die Brust, wirft mit Autoreifen um sich“, schreibt Stefan Benz im Darmstädter Echo (4.4.2015). Auf den ersten Blick sieht es so aus, als würde er noch einen Kollegen huckepack mitschleppen, aber es ist natürlich andersherum. „Auch Samuel Koch musste, um nicht seelisch zu verkümmern, seine Einschränkung überwinden. Wo für Rotpeter die Alternative zwischen Zoo und Varieté steht, hat sich Koch einst zwischen Pflege und Bühne entschieden: Für beide ist der Auftritt ein Ausweg, wenn er auch keine völlige Freiheit verheißt. ‚Überwinde deine Natur, wenn du überleben willst‘ – die gleichnishafte Botschaft des literarischen Berichts erhält auf der Darmstädter Bühne eine sinnbildhafte Verkörperung. Derart existenziell sind Kunst und Leben sonst nicht aneinander gebunden.“

Inszenierung: Stephan Hintze

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