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„Vorurteile, Spinnenweben, die in allen Ecken kleben, alles, was uns stört im Haus, das muss raus, das muss raus, das muss raus!“

Der Vetter aus Dingsda

Operette in drei Akten
von Eduard Künneke
Libretto von Hermann Haller und Rideamus
Nach einem Lustspiel von Max Kempner-Hochstädt

Termine

  • 25.02.2017 19:30 Uhr Großes Haus, Greifswald
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  • 03.03.2017 19:30 Uhr Großes Haus, Stralsund
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Julia hat das Paradies auf Erden. Sie ist süße siebzehn Jahre alt, Alleinerbin eines ansehnlichen Gutes und hat all’ ihre Lieben um sich: die beste Freundin Hannah, Onkel Josse und Tante Wimpel. Und eben da liegt die Schwierigkeit. „Onkel und Tante, ja das sind Verwandte, die man am liebsten nur von hinten sieht“, nennt Eduard Künneke das Problem musikalisch beim Namen. Denn während Julia ihrer Volljährigkeit entgegenfiebert, um ihren Cousin Roderich, der seit Jahr und Tag in … Dingsda … ach ja, Batavia, weilt, endlich ehelichen zu können, sähen Onkel und Tante gerne ihren eigenen Neffen an Julias Seite, denn das würde ihnen einen reichen und ruhigen Lebensabend auf Julias Gut sichern. Aber momentan sieht es leider gar nicht nach Reichtum und Ruhe aus – ganz im Gegenteil: Gleich drei Herren bemühen sich auf einmal um Julia, und Roderich ist noch nicht einmal unter ihnen – oder etwa doch? Eduard Künnekes wohl bekannteste Operette vereint alles in sich, was ein Erfolgsstück braucht: große Melodien wie „Ich bin nur ein armer Wandergesell“, temperamentvolle Tanznummern, eine aberwitzige Handlung, viel Selbstironie und eine gute Prise Anarchie.

 

Das Theater dankt dem Sponsor dieser Inszenierung:

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PRESSESTIMME

Plädoyer für anspruchsvolle Unterhaltung

Von Ekkehard Ochs

Totgesagte leben länger! Das gilt wohl auch für die Kunstform „Operette“, die mit einigen Paradebeispielen die Gratwanderung zwischen Unterhaltungs- und Kunstanspruch bestanden hat. Am Theater Vorpommern ist das mit Eduard Künnekes „Der Vetter aus Dingsda“ zu besichtigen: Kay Link hat es spielerisch flott inszeniert, Marlit Mosler auf praktisch eingerichteter Bühne mit passender Kostümierung ansprechend ausgestattet. Florian Csizmandia sorgt mit spielfreudigen Philharmonikern für eine Musik, die als qualitativ hochwertig dem Stück von jeher als existenzsichernd gilt.

Die Geschichte von einem Mädchen, das Liebes-Traumbildern nachhängt, sich dann spontan für die Realität entscheidet und mit turbulenten familiären Nebenwirkungen zu kämpfen hat, ist blass. Sie bietet aber mit konfrontierenden Konstellationen, spannungsreich stringenten Abläufen und dissonanter Personencharakteristik Raum für bühnenwirksam unterhaltendes, situationskomisch ergiebiges Agieren. Den hat man genutzt, um das Profil der Protagonisten wirkungssicher zu schärfen, sie unverkrampft etwas „heutiger“ erscheinen zu lassen und dem Geschehen eine leichte Ironie zu verleihen. Das passt zu einer Musik, die glänzend instrumentiert ist, sich auf leichtfüßig parlierende Ensemble fokussiert, aber auch souverän den einfallsreich gefühlvollen, „seriösen“ Schmelz liedhaft-arioser Sangeskunst beherrscht. Was am Stralsunder Premierenabend sängerisch uneingeschränkt zu beweisen war. Dies mit Jardena Flückiger (Julia) und Katarzyna Rabczuk (Hannah) als selbstbewusst lebhafte, „moderne“ Jugendliche, dem habgierig polternden, freßsüchtig trinkfesten Mündelehepaar Kuhbrot (Thomas Rettensteiner, Doris Hädrich-Eichhorn) und drei liebessehnsüchtigen Herren: Egon (Johannes Richter), August (Raphael Pauß) und Roderich (Alexandru Constantinescu). Ende gut, alles gut! Operette eben. Attraktiv anzuschauen, lohnend anzuhören!

Ostsee-Zeitung