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"Wie gerecht ist das Schicksal; mir allein überlässt es die Tat!"

Ein Maskenball

Oper in drei Akten von Giuseppe Verdi
Libretto von Antonio Somma
nach dem Drama „Gustave III. ou le bal masqué“ von Eugène Scribe
in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Termine

Graf Riccardos Herrschaft ist bedroht. Die Zahl der Verschwörer wächst. Eine düstere Prophezeiung kündet gar den gewaltsamen Tod des exzentrischen Herrschers an. Und der Mörder komme aus dem engsten Freundeskreis – so die Worte der hellsichtigen Ulrica.

Ausgerechnet jetzt gibt Riccardo seinem Privatleben den Vorzug vor den Regierungsgeschäften. Ihn treibt die unmögliche Liebe zu Amelia um, der Gattin seines besten Freundes Renato. Als Renato davon erfährt, werden aus Freunden Feinde und aus Loyalität Mordgelüste. Während eines Maskenballs treffen die beiden Rivalen aufeinander. Der Moment der Demaskierung ist gekommen.

Dem historischen Mord an dem schwedischen König Gustav III. nachempfunden, hebt Verdi die schicksalhafte Geschichte um Liebe und Macht auf eine allgemein menschliche Ebene. So konnte die Tatsache, dass Verdi zensurbedingt die Handlung von Schweden nach Amerika verlegen musste, dem eigentlichen Werk nichts anhaben.

PRESSESTIMMEN

Große Oper mit großen Stimmen

Verdis "Ein Maskenball" hatte Premiere in Greifswald

von Ekkehard Ochs

Fast hätte es geklappt, und das historische pommersche Stettin wäre Schauplatz einer nachmals berühmten Verdischen Königsmord-Oper geworden. Zensoren aber zwangen den Meister aus politischen Gründen zu Orts- und Personal-Kompromissen. So wurde das ursprüngliche Schweden-Drama um Gustav III. erst pommersch, dann florentinisch und endlich in Boston (!) zum „"Un ballo in maschera"“. Als solcher ist er nun in Greifswald zu hören: ohne Schweden-Bezug und in italienischer Sprache (mit Untertiteln). Mithin ist der Inszenierung Horst Kupichs der historisch belegbare Bezug - als revidierte Fassung zugänglich - weniger wichtig als die Überzeugungskraft eines ortsunabhängigen, zeitlosen Geschehens um politische Kabale und eine tragische Dreiecksbeziehung.

Und das ist zu begründen: mit einer Aufführung, die im traditionellen auf vertiefende, auch zuspitzende Einfälle nicht verzichtenden Rahmen ganz auf Verdis Gespür für die Musikträchtigkeit des szenisch zugespitzten Wortes und seiner psychologisch vertiefenden, musikalischen Gestaltung setzt. Auf karger, meist schwarzer Bühne und in kontrastierend farbenüppiger Ausstattung (Jakob Knapp a. G.) vollzieht sich ein Geschehen, das seine Glaubwürdigkeit als Kunstform Oper - zwingend als Idee, aber nur unvollkommen realisierbar (Oscar Bie, 1913) - aus der so emphatisch wie kontrastscharf ausgespielten Brisanz dramatischer Situationen, erregender individueller Konstellationen und dem Wirken starker Charaktere bezieht: große Oper eben! Und die kann sich das Theater Vorpommern locker leisten: Karo Khachatryan ist als Graf Riccardo ein heldentenoral unangestrengt glänzender, leichtgläubiger Menschenfreund, Thomas Rettensteiner sein die riesige, raumfüllende Stimme schon mal beängstigend wenig schonender Freund - und Mörder - Renato. Ganz groß sind Kristi Anna Isene als stimmlich ungemein affektgeladene, leidenschaftliche Amelia, Anne Møllers alt-dramatisch unheilverheißende Zigeunerin Ulrica und Jardena Flückigers zitronengelber, quirliger Soubretten-Page Oscar. Auch kleinere Rollen sind mit Maciej Kozlowski, Andrey Valiguras sowie Chormitgliedern bestens besetzt.

Der Chor selbst (Julija Domašševa) - agierte wieder hinreißend. GMD Golo Berg, wie immer souverän und mit den Philharmonikern auf ganzer Linie hochdramatischer orchestraler „"Mitredner"“, konnte genau das vermitteln, was ihn erklärtermaßen besonders bewegte: die Freude, mit solch einem Ensemble musizieren zu können. Der Beifall war gewaltig!

Ostsee-Zeitung, 20.3.2017