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das maß der dinge

das maß der dinge

satirisches Drama von Neil LaBute Deutsch von Jakob Kraut

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Adam, ein Anglistikstudent, jobbt als Aufseher in einem Museum, wo er die Kunststudentin Evelyn daran hindern will, dem nachträglich angegipsten Feigenblatt einer nackten Männerstatue einen Penis aufzusprühen. Für Evelyn eine Protestaktion gegen Zensur, für Adam schlicht ein Regelverstoß. Aus den gegensätzlichen Figuren wird dennoch ein Paar. Selbstbewusst verwandelt Evelyn den linkisch-schüchternen Adam in einen heiß begehrten "Loverboy". Seine Brille ersetzt sie durch Kontaktlinsen, sie ändert seinen Haarschnitt, seine Kleidung, schickt ihn ins Fitnessstudio und krempelt sein Leben bis in die intimsten Einzelheiten um. Amüsiert beobachten seine zwei besten Freunde, Jenny und Philip, die selber demnächst heiraten wollen, Adams Metamorphose. Noch ahnen sie nicht, dass auch sie bald Partner einer verhängnisvollen Affäre sind.

PRESSESTIMMEN

Das Wahre hinter den Täuschungen - Satire feierte Premiere in Stralsund

OZ, 22. März 2016

"Es braucht nicht viel, um einen Menschen zu manipulieren. Die Schöpferin trägt enge Lederho­sen, schwarze HighHeels und re­kelt sich lasziv auf der Bühne. 'Ich habe dir ein paar Anregungen ge­geben und du änderst dein ganzes Leben', sagt Kunststudentin Eve­lyn (Anna Luise Borner) zu Adam (Marvin Rehbock), dem schüchter­nen Anglistikstudenten, der auf ihr Ansinnen hin Brille, lange Haare, Schmerbauch und Cordjacke ge­gen Kontaktlinsen, fesche Frisur, durchtrainierten Körper und La­bel-Lederjacke austauscht und zum 'heißen Typen' avanciert. Davon, wie sie Adam als lebende Installation für ihre Diplomarbeit manipuliert, handelt das 2001 in London uraufgeführte Stück 'Das Maß der Dinge'. Unter der Regie von Matthias Stier, Gastregisseur am Theater Vorpommern und Do­zent an der Schauspielschule in Rostock, feierte die perfide Satire am Freitagabend in der St. Jacobi Kirche in Stralsund Premiere. Im ausverkauften Gustav-Adolf-Saal umkreist Borner als berechnende Evelyn schonungslos der Öffentlichkeit zwischen zwei Publikumsblöcken preisgegeben, ihr Installationsobjekt. Katharina Faltner hatte ein Bühnenbild ge­schaffen, das mit wenigen Versatz­stücken den Raum für Museum, Wohnzimmer und Schönheitskli­nik darstellt. Wie ein pedantisch ausgeleuch­teter Seziertisch liegt der Ausstel­lungsraum da, in dem Evelyn am 'menschlichen Fleisch bildhaue­risch arbeitet'. Stier hat das Stück, das nach den Grenzen der Kunst und der Verantwortung ihrer Er­zeuger fragt, in eigener Fassung aufgeführt. 'Oft liegt die Wahrheit tiefer als vermutet. Man sollte wach bleiben für seine Mitmenschen', erklärt der Regisseur. So versucht Evelyn einer oberflächli­chen Gesellschaft mit ihren eige­nen Mitteln einen Spiegel vorzuhal­ten - von Borner mit feinem Gespür für die hohe Komplexität der Figur gespielt. Rehbock verkörpert wun­derbar den sich zwar selbst aufge­benden, aber doch nach morali­schen Werten strebenden Adam. Gibt es einen freien Willen? Die Inszenierung von Matthias Stier fas­ziniert und polarisiert mit unter­schwelliger psychologischer, intel­lektueller und erotischer Span­nung." (Annemarie Bierstedt)