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Friday Night

Friday Night

Damenkomödie mit Herrenopfer von Oliver Bukowski

Termine

  • 31.03.2017 20:00 Uhr Gustav-Adolf-Saal (Jakobikirche), Stralsund Karten kaufen
  • 11.04.2017 20:00 Uhr Rubenowsaal (Stadthalle), Greifswald Karten kaufen
  • 12.05.2017 20:00 Uhr Gustav-Adolf-Saal (Jakobikirche), Stralsund Karten kaufen
  • 25.05.2017 20:00 Uhr Gustav-Adolf-Saal (Jakobikirche), Stralsund
  • Die Vorstellung entfällt leider ersatzlos!
  • 28.05.2017 18:00 Uhr Rubenowsaal (Stadthalle), Greifswald
  • Die Vorstellung entfällt leider ersatzlos!

Freitagnacht: Die Spiele sind eröffnet. Dann fließt der Sekt in Strömen und es gelten keine Grenzen mehr. Gemein und hinterhältig werden Schwächen bloßgelegt, Klamotten und Probleme getauscht, so ungeniert direkt und bösartig, dass die Ladies aus „Sex and the City“ geradezu neidisch wären. Die vier Freundinnen im besten Alter schenken sich nichts und den Männern schon gar nicht. Nur nicht heulen, und wenn, dann auf Knopfdruck: Mit Sekt ist die Frau eine Frau. Sie sind knallhart, fix im Denken und groß darin, alberne Laune zu versprühen. Geistreich ist, wer die Lacher auf seiner Seite hat. Aber was liegt eigentlich näher, als sich diesmal zur Friday Night ein Exemplar der anderen Gattung ‘ranzuholen? Den Abend sozusagen „vom Schwanz her aufzuzäumen“, und dem Mann mal ordentlich die Leviten zu lesen – mit spitzer, wenn auch lallender Zunge und griffbereitem elektrischem Tranchiermesser. Jan, frisch auf der Straße aufgegabelt, weiß gar nicht, wie ihm geschieht: Schon ist er an einen Stuhl gefesselt, hat eine Spielzeug-Turtle als Knebel im Mund und ist vier fremden, aufgepeitschten Frauen ausgeliefert. Doch die Selbstgerechtigkeiten, die jetzt auf ihn einprasseln, lässt er nicht auf sich sitzen und geht zum verbalen Gegenangriff über. Wenn das in seiner Situation mal kein Fehler ist ...

 

„Friday Night“ von Oliver Bukowski ist auch als eBook erschienen. Über die Website www.textbuehne.eu können Sie das Theaterstück in diversen Online-Shops bestellen.

PRESSESTIMMEN

Geschlechterkrieg als schriller Tanz des Klischees

Mit Friday Night feierte am Theater Vorpommern Oliver Bukowskis Damenkomödie mit Herrenopfer Premiere: eine wilde , schrille Farce


von Dietrich Pätzold

Frauentage gibt's in deutschen Haushalten ja nahezu täglich. Mit Tupperpartys, gern auch mit Zimmerbasaren für Dessous, Schmuck, Kosmetik oder Sexspielzeug hat sich die Wirtschaft eine richtige Frauenbewegung zur Erhöhung ihrer Verkaufszahlen erschlossen und hochgepäppelt.

Doch sich derart zu simplen Homeshoppingqueens zu degradieren - das wäre für die Damen in Oliver Bukowskis schriller Farce "Friday Night" unter ihrer Würde. Sie mögen's tiefgründiger, fundamentaler, schärfer. Vorgestern am internationalen Frauentag, feierte die 2010 uraufgeführte "Damenkomödie mit Herrenopfer" am Theater Vorpommern Premiere: ein rasant-schneller, klamaukiger und alle Fettnäpfchen des "Guten Geschmacks" mutwillig und zielgenau treffender Theater-Comic im Greifswalder Rubenowsaal.

Kitti, Kürger, Natalie (Nattchen) und Britta, gerade mal um die Dreißig und schon erste Anzeichen eigener (übrigens völlig unsichtbarer) Welkheit bejammernd, locken bei einem ihrer monatlichen sektseligen Selbsttherapie-Treffs zur Abwechslung mal einen Mann von der Straße weh in ihre gute Stube. Sie überwältigen ihn mit Elektroschock, fesseln und knebeln ihn: um die Gründe ihres Unglücks mal ganz genau zu analysieren, und um ihn - den Repräsentanten der Männerwelt! - womöglich per Kastration für alles Büßen zu lassen.

Letzteres geschieht am Ende vielleicht nicht bzw. die Inszenierung von Regisseur Christopher Haninger  lässt das offen, sprich: im Dunst der Nebelmaschine verschwinden. Was bleibt ist die schrille "Grundlagenforschung" - so nennen die manisch männerfixierten Stadtneurotikerinnen ihre Geiselnahme. Und jede Frau hatte schon mindesten einmal solche Ängste vor einem Mann gehabt, wie dieser sie jetzt vor seiner Kastration erleiden muss - womit sie wahrscheinlich Wahres sagen. Nur: Was kann der arme Jan Werner, artiger Ehemann und einer von der aufgeschlossenen Sorte, dafür, dass die Frauen jahrtausendelang so schwer von Männern unterdrückt wurden?!

Frauenfrust und Männerbashing - um Missverständnissen vorzubeugen: Autor Oliver Bukowski (55) schrieb kein Frauenverstehe-Stück der Sorte "Sex and the City", eher eine Parodie auf solche Zielgruppenprodukte un den zugehörigen Buch Ratgebermarkt. Überhaupt zeht Bukowski nicht mit in den Krieg der Geschlechter, den seine Protagonistinnen wahnhaft führen. Eher lehnt er sich zurück und betrachtet, wie absurd diese Spielchen heute sind, mit all ihren Lebenslügen und Verdrängungen: ein anachronistisches Ventil, um über allen möglichen Frust über Unbehagen und Entfremdung im modernen Leben hinwegzukommen.

Da dieser "Krieg" aus einer großen Blase von Nullachtfuffzehn-Klischees besteht, präsentiert Bukowski diese besonders klischeehaft, aber auch sehr gut geordnet und sortiert. Das macht den Abend nicht unbedingt stark, aber zuweilen amüsant: Wir lachen darüber, mit welch blindem Eifer sich Menschen mitDebatten unsinniger Fragen (mit wenig Rest-Sinn) verlieren. Anne Greis, Chiaretta Schöring, Katja Hirsch und Claudia Lüftenegger spielen dieses quirlige und bei aller Kopflosigkeit doch sympathische Damenquartett. Die LAst der Rolle des gefesselten Mannes hat Marvin Rehbock zu tragen.

 

Ostsee-Zeitung, 10.03.2017