Martinus Luther

Anfang und Ende eines Mythos' von John von Düffel

Termine

  • 23.11.2017 20:00 Uhr Rubenowsaal (Stadthalle), Greifswald Karten kaufen
  • 26.11.2017 18:00 Uhr Rubenowsaal (Stadthalle), Greifswald Karten kaufen
  • 27.11.2017 10:00 Uhr Rubenowsaal (Stadthalle), Greifswald Karten kaufen
  • 29.11.2017 20:00 Uhr Gustav-Adolf-Saal (Jakobikirche), Stralsund Karten kaufen
  • 10.01.2018 20:00 Uhr Rubenowsaal (Stadthalle), Greifswald Karten kaufen
  • 24.01.2018 20:00 Uhr Gustav-Adolf-Saal (Jakobikirche), Stralsund Karten kaufen

„Anfang und Ende eines Mythos“ nennt John von Düffel sein Stück im Untertitel und zeichnet dabei ein überraschendes Bild der zum Mythos verklärten Figur Luthers. Nach einem religiösen Erweckungserlebnis im Gewitter bricht der angehende Jurastudent Martinus mit seiner frühbürgerlichen Karriere, legt das Mönchsgelübde ab und beschließt, nur noch dem Glauben zu dienen. Dieser Schritt ist der Beginn einer Radikalisierung, die zum Bruch mit dem Vater und später zum Bruch mit der höchsten Autorität, dem Papst, führt. Im zweiten Lebensabschnitt führt uns Düffel einen machtversessenen, von den Kämpfen seines Lebens verbitterten alten Mann vor, der Hass und Intoleranz predigt. „Martinus Luther“ zeichnet ein komplexes, widersprüchliches und spannendes Bild der historischen Figur und stellt damit auch aktuelle Fragen in Zeiten des religiösen Fanatismus.

PRESSESTIMMEN

Erst glühend, später verbittert

Premiere in Stralsund: „Martinus Luther“

Stralsund. Der Ort der Premiere war gut gewählt: Der kleine Gustav-Adolf-Saal in der mächtigen Stralsunder Sankt-Jakobi-Kirche gab den Rahmen für dieses Stück von John von Düffel. Der Abend zeigt Martin Luther in zwei sehr unterschiedlichen Lebensphasen. Zunächst kurz nach seinem Erweckungserlebnis – als Lutherknapp einem Gewitter entronnen war und beschloss, sein Leben künftig Gott zu widmen. Dafür lässt er nicht nur sein Jurastudium sausen, streicht auch seine Hochzeit und entsagt seiner Familie. Der junge Luther (Marvin Rehbock) ist ein glühender Idealist, der später der katholischen Kirche den Spiegel vorhalten wird. Marvin Rehbock verkörpert hier einen selbstquälerischen Martin Luther, der seinen Weg erst finden muss, aber die Berufenheit schon in sich spürt. Nach der Pause springt das Stück 40 Jahre weiter. Wir sehen einen gealterten, desillusionierten und auch etwas eitlen Luther (Markus Voigt), dem der Idealismus abhanden gekommen ist. Nun verkörpert Marvin Rehbock einen jungen Studenten, der ins Hause Luthers kommt, weil er um die Hand der Tochter anhalten will. Er findet einen verbitterten Mann vor. „Anfang und Ende eines Mythos’“ lautet der Untertitel dieses Stücks (Inszenierung: Linus Buck/Dirk Löschner), das sich Martin Luther von zwei unterschiedlichen Seiten nähert und eine komplexe Persönlichkeit zeigt. Perspektivwechsel und Rollentausch (die Dritte im Bunde ist Chiaretta Schörnig, die auch die Teufelin sowie Luthers Gattin Katharina von Bora verkörpert) machen dieses Stück des Theaters Vorpommern zu einem intensiven Kammerspiel.

Thorsten Czarkowski, Ostsee-Zeitung

Das Stück »Martinus Luther. Anfang und Ende eines Mythos‘« zeigt den Titelhelden in der Jugend und im Alter. Der junge Luther lehnt sich gegen den Vater und die Kirche mit all ihren Ritualen auf, veräußert seinen Besitz, geht ins Kloster, gejagt von eigenen teuflischen Leidenschaften. Der alte Luther lässt in einer privaten Szene mit einem Studenten, der um die Hand der Tochter anhält, seine Teufelchen raus, hält mit gewalttätig-autoritären, antisemitischen Ansichten sowenig hinter dem Berg wie mit der Verachtung gegenüber Frauen und Kindern. Damit die Spannung gehalten wird, tauschen ein jüngerer und ein älterer Schauspieler zwischen Teil eins und zwei die Rollen.

In beiden Teilen gibt Chiaretta Schörnig eine weibliche Figur, im ersten Teil sehr verspielt, im zweiten brummig und beißend. Zunächst verkörpert sie die abgewehrte fleischliche Versuchung, fällt in grauenhaften Bestrafungsphantasien über Luther her, erscheint ihm in Teufelsgestalt (glücklicherweise nicht in der Kostümierung). Dann ist sie die im Haushalt gezähmte Wollust, Luthers ewig nörgelnde Gattin, unzufrieden mit ihrem verpfuschten Leben, aber doch zu Luther aufblickend, in seine autoritär-hasserfüllten Ansichten einstimmend, die traditionelle Rolle erfüllende Putz-, Haus-, Kinderfrau.

Die Inszenierung lebt durch die Schauspieler, der innere Zusammenhang der zwei Luther-Figuren wird von Marvin Rehbock und dem großen Charakterdarsteller Markus Voigt im Zusammenspiel wunderbar herausgearbeitet. (...)

Anja Röhl, Junge Welt