Text
Text
Text
Text
Text
Text

MONODRAMEN (3)

Melken
von Jörn Klare

Medea. Stimmen
von Christa Wolf

Termine

  • 26.01.2017 20:00 Uhr Rubenowsaal (Stadthalle), Greifswald
  • Premiere
  • Karten kaufen
  • 02.02.2017 20:00 Uhr Rubenowsaal (Stadthalle), Greifswald Karten kaufen
  • 05.03.2017 18:00 Uhr Rubenowsaal (Stadthalle), Greifswald Karten kaufen
  • 12.03.2017 18:00 Uhr Gustav-Adolf-Saal (Jakobikirche), Stralsund Karten kaufen
  • 21.03.2017 20:00 Uhr Rubenowsaal (Stadthalle), Greifswald Karten kaufen

Melken
von Jörn Klare

„Wie soll man 'Willkommen' sagen, wenn man selbst nicht mehr die Heimat hat?" fragt ein alter Mann aus dem Osten Deutschlands. Das Dorf in Mecklenburg, in dem er lebt, ist so gut wie ausgestorben, doch seit einigen Tagen sieht er vor seinem Fenster fremde Menschen. Seine Tochter möchte ihn nach dem Tod seiner Frau in den Westen holen - aber der Westen ist ihm fremd: "Der Westen ist in ihrem Körper. Man merkt das, ich merke das. Dieses Lächeln... Schnell da und noch schneller weg." Nun sitzt der Mann, der sein ganzes Leben als Melker gearbeitet hat, auf gepackten Koffern und wartet. Und bilanziert sein Leben...

 

Medea. Stimmen
von Christa Wolf

Medea hilft Jason, das goldene Vlies zu erringen und flieht mit ihm aus Kolchis, um in der Fremde ein neues Leben zu beginnen. Dabei tötet sie ihren Bruder, um die Verfolger um ihren Vater aufzuhalten. In Korinth finden beide Asyl, doch Jason verliebt sich in die Königstochter Glauke und verlässt Medea, um Glauke zu heiraten. Daraufhin schickt Medea Glauke ein vergiftetes Kleid, tötet König Kreon und ihre Kinder und flieht nach Athen. Soweit der Mythos. Doch Christa Wolfs Roman legt ältere Schichten dieses Mythos frei. Sie lehnt das erst von Euripides beim Medea-Drama eingeführte Motiv der Kindestötung ab und greift auf vor Euripides liegende Versionen zurück, die weder Bruder- noch Kindesmord der Medea kannten. Bei Wolf wird Medea zu einer starken, selbstbestimmten Frau, die durch die vielstimmige Schilderung der Protagonisten die Bildung des Mythos selbst hinterfragt und umdeutet.

 

PRESSESTIMMEN

Verzweiflung und Stärke

Der dritte Teil der "Monodramen" des Theater Vorpommern hatte am Freitag in Stralsund Premiere

von Thorsten Czarkowski

Zwei sehr gegensätzliche Stücke waren es, die am Freitag die Reihe der "„Monodramen"“ des Theaters Vorpommern fortsetzen. Aufführungsort war der Gustav-Adolf-Saal in der Kulturkirche St. Jakobi Stralsund, die fast klaustrophobische Enge des Raumes verstärkte die Wirkung der beiden Einpersonenstücke.

Zunächst also "„Melken"“ von Jörn Klare. Ein alter Mann reflektiert sein Dasein, sein ganzes Leben hat er als Melker in einem mecklenburgischen Dorf zugebracht. Nun ist ihm die Frau gestorben, er sitzt einsam in seinem Häuschen, die Tochter ist längst in den Westen gegangen. Bald wird sie zurückkommen, um ihren Vater nachzuholen. In diesem Warten kommen die Erinnerungen hoch, der alte Melker erinnert sich an die Nachkriegszeit, an die Bodenreform und auch an die Ernüchterung, die mit der LPG-Gründung einherging. Immerhin: Jeder hatte Arbeit und gemolken wurde immer. Der knorrige Landwirt war nie recht zufrieden mit der Obrigkeit, doch er wurstelte sich immer durch.

Der Bruch kam mit der Wende und der Marktwirtschaft. Dem Melker kamen nicht nur die Kühe abhanden, bis zum heutigen Tage hegt er Groll gegen "„den Westen"“. Auch gegen seine Tochter: "„Der Westen ist in ihrem Körper. Man merkt das, ich merke das. Dieses Lächeln . . . Schnell da und noch schneller weg."“ Indem der ostdeutsche Melker alles Böse in den Westen hineinprojiziert, kommt aber gleichzeitig der unaufgearbeitete Vereinigungsprozess wieder hoch. Autor Jörn Klare hat mit diesem Stück ein Stückchen ostdeutsche Verbitterung formuliert, die Jörg F. Krüger auf die Bühne bringt.

Völlig gegensätzlich dann „"Medea. Stimmen"“ von Christa Wolf, die Schriftstellerin hatte unter DDR-Bedingungen diesen Stoff aus der Antike neu gedeutet und neu geschrieben. Hier ist es eine selbstbewusste Medea (dargestellt von Claudia Lüftenegger), die im zweiten Monodrama des Abends mit einer starken Präsenz den Raum füllt. Diese Stärke ist es auch, die die Umdeutung des mythologischen Stoffes erlebbar macht - so waren beide Monodramen mit einem DDR-Bezug hinterlegt.

Ostsee-Zeitung, 16.1.2017