Monodramen (1)

Dylan Passion - Musikalische Annäherung an ein Idol von und mit Stefan Hufschmidt

Termine

  • 14.12.2017 20:00 Uhr Rubenowsaal Stadthalle, Greifswald Karten kaufen
  • 26.01.2018 20:00 Uhr Rubenowsaal (Stadthalle), Greifswald Karten kaufen

Während die Helden von einst sich der Sättigung aus dem eigenen Werk und der Förderung durch egal-wen-Hauptsache-es-gibt-Geld verschrieben haben, während Flatrates von den Beatles und Autos von Pink Floyd und den Rolling Stones beworben werden, während andere Helden vor uns sterben und uns alleine zurücklassen mit all den Sorgen, die das Alter uns zu bringen droht, währenddessen ist Bob Dylan Bob Dylan geblieben. Er hat sich erfolgreich jeder Vereinnahmung widersetzt und sich trotzdem immer wieder erneuert. So versammeln wir uns alle um ihn, suchen Halt an seiner Seite, diesen Halt, den er schon fast fünfzig Jahre lang gebeten wird zu geben, und den er doch nie geben konnte und trotzdem fordern wir ihn unermüdlich immer wieder, aber alles, was wir bekommen, sind Songs. Songs von Menschen und Liebe und Verirrung, von Einsamkeit und Verzweiflung, von Skepsis und Heimat und Reisen und Rasten und Dableiben und Weggehen und Ankommen. All das Verstiegene, die ganze Poptheorie, die vielen Geschichten, die man auf Unmengen von Papier an ihm abreiben wollte, alle Anfeindungen, alle Vorwürfe, alle enttäuschten Lieben, sie haben ihm nichts anhaben können, und am Ende fangen auch die an, ihn zu lieben, die ihn immer gehasst zu haben glaubten.

PRESSESTIMME

Ein Abend über den großen Rock-Interpreten mit Stefan Hufschmidt

 

Stralsund. Es war die erste Monodramen-Premiere in dieser Spielzeit am Theater Vorpommern. Aber nur wenige Stralsunder waren am Donnerstag offensichtlich in Theaterlaune. Dabei war es weniger ein dramatischer Monodrama-Abend als eine musikalische Lesung mit einem Schauspieler. Stefan Hufschmidt, neues Mitglied im Ensemble, hat sich seinem Publikum vorgestellt. Er kann singen, Gitarre und Mundharmonika spielen. Und er steht auf Bob Dylan. In „Dylan-Passion – Eine musikalische Annäherung an ein Idol“ nähert sich der Schauspieler der Musik, die, so sagen es große Kritiker, mit ihrem Einfluss auf die Entwicklung der Rockmusik nur mit den Beatles vergleichbar ist. Annäherung auch an die friedensnobel-preisgekrönte Lyrik des amerikanischen Sängers, die Hufschmidt zum Teil selbst frei übersetzt hat. So ergab sich eine Art Heiligenverehrung, für den schlechthin vollendeten Rock-Solointerpreten Bob Dylan, der sich nach dem walisischen und an Trunksucht zugrunde gegangenen Dichter Dylan Thomas benannt hat. Das lernte man alles an diesem Abend. Denn in den Pausen zwischen den Dylan-Song-Medleys erzählte Hufschmidt das, was er von Dylan eben so weiß und was das mit ihm gemacht hat. „How many roads“, das musste wohl jeder man an irgendeinem Lagerfeuer mitsingen… Klar auch, dass er eben klingt, wie einer, der dabei „in ein Kopfkissen beißen“ würde oder „als träte man einer Katze auf den Schwanz“ oder wie die „Times“ mal schrieb, „als käme die Stimme über die Mauern eines Tuberkulose-Sanatoriums“. Der Schauspieler blieb auf Distanz. Zu Dylan. Denn nichts findet er ja nun blöder, als ihn zu verehren und dann noch zu imitieren. Er ist ein Idol und ein Guru, ein Meister. „Seine Konzerte“, so Hufschmidt „sind Messen!“. Aber es ist auch irgendwie Verrat an Dylan, so öffentlich ein Dylan-Fan zu sein. Denn seine Nachlässigkeit in der Art zu singen interpretieren Kenner mit einem frühen Überdruss an seiner Personenverehrung. Der Abend hatte einige Zugaben. Was in einem monodramatischen Theater eigentlich unerhört ist. Aber die wenigen Besucher nahmen es als Dylan-Konzert-Abend. Und auf den Schauspieler Stefan Hufschmidt kann man weiter gespannt sein.

Juliane Voigt, Ostsee-Zeitung